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„Männer machen MBA“

Am 8. März jährt sich der Frauentag zum 101. Mal - von Gleichstellung kann in Österreich trotzdem keine Rede sein: Noch immer verdienen Frauen weniger, sind in Spitzenpositionen kaum vertreten, und Teilzeit ist noch immer weiblich. Frauen müssten die Wahl haben, Vollzeit arbeiten zu können, sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“.

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Es könne nicht sein, dass Frauen Teilzeit arbeiten, weil sie zu wenig Kinderbetreuungsmöglichkeiten haben, während Männer das tun, um sich weiterzubilden, etwa „einen MBA machen“, so die Frauenministerin.

Überstunden „oft nicht ausbezahlt“

Dass fast jede zweite Frau Teilzeit arbeite, sei vielleicht auf den ersten Blick positiv, weil es die Erwerbsquote hebt, so Heinisch-Hosek. Ausschlaggebend seien aber die Bereiche, in denen teilzeiterwerbstätige Frauen arbeiten, denn diese seien hauptsächlich Handel und Gastronomie, also eher schlecht bezahlte Branchen. „Die wenigsten Frauen können davon leben, und sind von ihrem Partner abhängig“, kritisiert Heinisch-Hosek.

Frauenministerin Gabriele Heinisch Hosek

ORF

Ministerin Heinisch-Hosek am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“

Die Regelarbeitszeit könne angehoben werden, indem Unternehmen verpflichtet werden, im Falle von regelmäßig geleisteten Überstunden die Arbeitnehmerin zu fragen, ob das Stundenausmaß erhöht werden soll. 300 Millionen Überstunden würden jährlich geleistet, so Heinisch-Hosek, 70 Millionen davon werden nicht ausbezahlt. Dadurch erspare sich die Wirtschaft rund 1,4 Milliarden Euro.

Bei Ausschreibungen für Teilzeitjobs müsse künftig außerdem besser informiert werden, ob und in welchem Ausmaß Überstunden geleistet werden müssen, so Heinisch-Hosek. Oft verzichteten Frauen darauf, sich gegen betriebliche Arbeitszeitbestimmungen und nicht ausbezahlte Überstunden aufzulehnen, weil sie mit einer Kündigung rechnen. „Der Druck am Arbeitsmarkt ist hoch, und Frauen haben oft die schlechteren Karten. Die Politik muss das aufzeigen“, so die Frauenministerin.

„Untragbarer Zustand“ bei Kinderbetreuung

Dass es bei der Kinderbetreuung vom Bodensee bis zum Neusiedler See unterschiedliche Bedingungen gebe, sei ein „untragbarer Zustand“, sagte Heinisch-Hosek. Sie fordere eine Vereinheitlichung des Angebots und der Qualität von Kinderbetreuungsplätzen in Österreich. Dazu müssten die Bundesländer über ihren Schatten springen, so die Frauenministerin, denn möglich sei eine Harmonisierung quer durch alle Länder nur durch eine Verfassungsbestimmung.

Auf die Frage, ob es überhaupt genug qualifiziertes Personal für eine Ausweitung der Kinderbetreuung gebe, forderte Heinisch-Hosek die Aufwertung des Berufsbildes. Auch höhere Gehälter seien wünschenswert. Weiters schlug sie vor, die Kinderbetreuungsmillionen zwischen dem Bau von Betreuungseinrichtungen und laufenden Personalkosten zu teilen. Auch der Ausbau der Gesamtschule sei ein wichtiger Aspekt.

Für Ausweitung des „Papamonats“

Bei der von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) im Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe) vorgeschlagenen Ausweitung des „Papamonats“ auf drei Monate ist Heinisch-Hosek „dabei“: „Wir können sofort morgen zu verhandeln beginnen“, so die Frauenministerin. Sie sei überhaupt gleich für drei verpflichtende Monate, so dass die Arbeitgeber Väter in Karenz schicken müssen. Diese dürfe aber nicht unbezahlt sein. Finanziert werden könne der verpflichtende „Papamonat“ über das Budget für das Kinderbetreuungsgeld: „Die budgetären Vorkehrungen dafür sind getroffen.“ Vor allem die verstärkte Bindung zwischen Vater und Kind würde „Lust auf mehr machen“ und einen zusätzlichen Anreiz für Väter schaffen, in Karenz zu gehen, so Heinisch-Hosek.

Frauenquote: Heinisch-Hosek hofft auf EU

Was eine verpflichtende Frauenquote betrifft, hofft Heinisch-Hosek auf den „Rückenwind Europas“. In Österreich sind bisher nur Quoten für staatsnahe Unternehmen festgelegt - die Frauenministerin wünscht sich eine Quote auch für die Privatwirtschaft. Unternehmen mit gemischten Führungsteams seien nachweislich erfolgreicher und hätten höhere Renditen. Sie wolle jedenfalls „immer wieder“ mit dem Koalitionspartner darüber reden. Wenn die Einführung einer Quote aber im eigenen Land nicht möglich sei, brauche es vielleicht den Druck von außen - also aus der EU -, so Heinisch-Hosek.

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