Wirbel um Grass-Gedicht zu Israel

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), hat ein Gedicht von Literaturnobelpreisträger Günter Grass über Israel und den Iran scharf kritisiert. „Das Gedicht gefällt mir nicht“, sagte Polenz der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe).

„Günter Grass ist ein großer Schriftsteller. Aber immer, wenn er sich zur Politik äußert, hat er Schwierigkeiten und liegt meist daneben. Diesmal liegt er gründlich daneben.“ Die einseitige Schuldzuweisung an Israel sei falsch. „Das Land, das uns Sorgen bereitet, ist der Iran. Davon lenkt sein Gedicht ab. Grass verwechselt Ursache und Wirkung. Er stellt die Dinge auf den Kopf“, sagte Polenz.

Grass hatte in einem in mehreren Zeitungen veröffentlichten Gedicht geschrieben, „die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“. Er wirft sich vor, zu lange dazu geschwiegen zu haben. Der 84-Jährige kritisiert auch die geplante Lieferung eines weiteren U-Boots „aus meinem Land“ nach Israel. Gleichzeitig bekundet er seine Verbundenheit zum jüdischen Staat.

„Aggressives Pamphlet der Agitation“

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte die Äußerungen von Grass scharf. Der in mehreren Zeitungen erschienene Text sei „ein aggressives Pamphlet der Agitation“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann der Deutschen Nachrichtenagentur (dpa) in Berlin. Es sei traurig, dass sich Grass in dieser Form zu Wort melde und Israel dämonisiere, sagte Graumann.

Der Publizist Ralph Giordano sprach von einem „Anschlag auf Israels Existenz“. „Selten hat mich etwas so erschüttert“, schrieb Giordano der dpa in Köln. Mit seiner einseitigen Anklage stelle Grass die Dinge auf den Kopf. „Diese Umkehrung der Tatsachen, wer hier wen bedroht, trifft mich persönlich besonders tief, weil sie aus dem Munde von Günter Grass kommt. Als die Welt über ihn herfiel, weil er als 18-Jähriger bei der Waffen-SS war (und das lange verschwiegen hat), habe ich ihn verteidigt.“

Grass „nicht anti-israelisch“

Der israelische Historiker Tom Segev nahm Grass gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz. „Er ist kein Antisemit, er ist nicht anti-israelisch“, sagte Segev dem Deutschlandradio Kultur. Probleme habe er aber mit dessen Gleichsetzung des Iran mit Israel. Israel habe schließlich „noch von keinem Land gesagt (...), dass es aus der Welt geschafft werden muss“, wie es der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad „Tag für Tag“ über Israel wiederhole.