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Große Bühne für Proteste

Trotz großer Polizeipräsenz wegen des Formel-1-Rennens haben Jugendliche in Bahrain am Sonntag erneut demonstriert und Autoreifen auf Straßen angezündet. Der König versprach zwar Reformen - doch wesentlich war für den Herrscher wohl, um jeden Preis den Grand Prix über die Bühne zu bringen und damit „Normalität“ zu signalisieren.

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Die Feuer, die von den Jugendlichen angezündet wurden, waren zumeist schnell gelöscht. An den Vortagen war es zu heftigen Konfrontationen von Demonstranten mit der Polizei gekommen. Dabei war nach Angaben der Opposition mindestens ein Mensch erschossen worden. Seine Leiche wurde am Samstag auf einem Hausdach gefunden.

König Hamad bin Issa al-Chalifa versuchte am Sonntag, mit dem Versprechen von Reformen die Wogen zu glätten. „Ich möchte meinen persönlichen Einsatz für Reformen und Aussöhnung in unserem großartigen Land betonen“, sagte der Monarch. „Die Tür für einen ernsthaften Dialog mit unserem ganzen Volk ist immer offen.“

Kronprinz Salman bin Hamad Al-Khalifa applaudiert Sieger Sebastian Vettel nach dem GP von Bahrain

AP/Hassan Ammar

Vettel und Bahrains Kronprinz jubeln nach dem Rennen

Protestbewegung nutzt Grand Prix

Die Protestbewegung hatte den Grand Prix genutzt, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Menschenrechtsverletzungen in der Golf-Monarchie zu lenken. Zunächst forderte die Opposition, das Rennen wie im Vorjahr abzusagen. Sie warf dem König vor, den Grand Prix politisch zu instrumentalisieren. Doch einige Oppositionelle haben ihre Meinung dazu inzwischen geändert. Aus der Protestbewegung hieß es am Sonntag, der Wettbewerb habe geholfen, Aufmerksamkeit auf die Missstände zu lenken.

Kein Verständnis

Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften verunmöglichte Proteste in der Nähe der Rennstrecke, wo Red Bulls Sebastian Vettel einen Start-Ziel-Sieg feierte. Vettel hatte sich bei der Ankunft über die politischen Proteste geärgert und gemeint, vieles davon sei wohl ein Hype.

Ein Soldat bewacht das Formel-1-Gelände

APA/EPA/Valdrin Xhemaj

Die Rennstrecke war weiträumig abgesperrt

Er freue sich nun auf jene Dinge, die wirklich zählten, nämlich „Reifentemperaturen und Autos“, machte Vettel stellvertretend für den gesamten Formel-1-Zirkus sein völliges Unverständnis für die Anliegen der Opposition klar und unterstützte damit indirekt das herrschende Königshaus.

„Imageschaden nicht einberechnet“

Doch dieses hat sich mit seinem Versuch, der Welt nach der Absage des Grand Prix im Vorjahr wegen Unruhen heuer die Rückkehr zur Normalität zu zeigen, offenbar verspekuliert. Anhänger der Protestbewegung sagten, das Herrscherhaus habe gedacht, dass eine erneute Absage eine Niederlage wäre. „Aber sie haben nicht erkannt, welchen Preis sie für die Abhaltung des Rennens zahlen müssen“, so der schiitische Aktivist Alaa Schehabi. „Sie haben die negativen Imagefolgen nicht einberechnet.“

„Nieder mit König Hamad!“

Die Herrscherfamilie gehört der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an, deren Anhänger in dem Land die Minderheit bilden. Die meisten Angehörigen der Opposition sind schiitische Muslime. Sie klagen über Diskriminierung aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schüttelt Bahrains Kronprinz Salman bin Hamad Al-Khalifa die Hand

AP/Luca Bruno

Bernie Ecclestone mit dem Kronprinzen in der Boxenstraße

Beeinflusst von den Massenprotesten in Tunesien und Ägypten hatten im Februar 2011 auch in Bahrain Hunderttausende Demonstranten die Umwandlung des Staates in eine konstitutionelle Monarchie verlangt, in der die Regierung vom Parlament ernannt wird. Das lehnt die Herrscherfamilie ab. Als die Sicherheitskräfte die Proteste mit Gewalt und Massenfestnahmen beendeten, radikalisierten sich die Demonstranten. Inzwischen ertönt bei Demonstrationszügen in Bahrain auch der Ruf „Nieder mit König Hamad!“.

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