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Abschlagszahlung gegen Kollektivvertrag

Die Führung der Austrian Airlines (AUA) und die Personalvertretung haben sich nach einem erbittert geführten Streit über das künftige Entlohnungs- und Pensionsschema am Dienstagabend nun doch auf einen Kompromiss geeinigt. Das berichteten die ZIB24, das Luftfahrtmagazin Austrian Wings und das Luftfahrtportal Austrian Aviation Net.

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Damit wurde ein juristisch umstrittener Zwangsumstieg auf den um 25 Prozent billigeren Kollektivvertrag der Regionaltocher Tyrolean abgewehrt - vor allem aber Massenselbstkündigungen von Piloten und damit verbundene Probleme im Flugbetrieb, die ab Mai geblüht hätten.

„Grundstein für wirtschaftliche Sanierung“

Die vom Betriebsrat Bord und dem AUA-Vorstand in einer gemeinsamen Aussendung an das Personal verkündete Einigung sieht vor, dass alle Personalgruppen des fliegenden Personals eine Abschlagszahlung erhalten und dafür in einen einheitlichen und günstigeren Kollektivvertrag wechseln sollen, berichtet Austrian Aviation Net. Ein positives Abstimmungsergebnis würde laut dem AUA-Vorstand eine gemeinsame Lösung bedeuten, ein negatives Abstimmungsergebnis hätte den Betriebsübergang zum Tyrolean-Flugbetrieb zur Folge.

In der Ö1 vorliegenden E-Mail von Vorstand und Betriebsrat an die Mitarbeiter ist von einer grundsätzlichen Einigung die Rede. Für das fliegende Personal bedeute dieses Ergebnis zwar massive Zugeständnisse, sie seien aber „ein Grundstein für die wirtschaftliche Sanierung unserer Firma“, heißt es in der E-Mail - mehr dazu in oe1.ORF.at.

In den nächsten Stunden und Tagen sollen nun Informationen an die Mitarbeiter und Abstimmungen erfolgen. Davor wollte sich die AUA auch Mittwochfrüh nicht äußern. Ein neuer Aufsichtsratsbeschluss ist nicht mehr nötig. Die Drohung der AUA, andernfalls würde doch noch der Betriebsübergang erfolgen, gilt nur noch theoretisch.

Gewerkschaft erklärt nächste Schritte

Eine Verhandlungslösung war das zentrale Ziel im Streit zwischen AUA-Management und dem fliegenden Personal des Unternehmens, betonte vida-Chef Rudolf Kaske am Mittwoch. Noch vorige Woche wollte er Streiks nicht ausschließen. Nun müssten zunächst die betroffenen Piloten und Flugbegleiter abstimmen, ob sie die Abschlagszahlungen zum Auskauf aus dem alten Kollektivvertrag akzeptieren, danach werde es „im nächsten Schritt“ um einen gemeinsamen Konzernkollektivvertrag gehen.

Kaske wollte sich im Gespräch mit der APA nicht darauf festlegen, ob die aktuelle Einigung zwischen AUA und Bord-Betriebsrat den Kern eines künftigen Konzern-KV darstelle, in Arbeitnehmerkreisen der AUA geht man aber sehr wohl davon aus. Kaske betonte nur, dass „alle weiteren Schritte mit den Belegschaftsvertretern von AUA und Tyrolean abgesprochen werden“.

Wachstumsstrategie gefordert

Die Gewerkschaft hatte den Zorn der Tyrolean-Belegschaft auf sich gezogen, weil sie deren Kollektivvertrag gekündigt hat, obwohl das die Belegschaft nicht wollte. Der Schritt sei aber richtig und wichtig gewesen, um Druck auf das AUA-Management aufzubauen, verteidigte Kaske das Vorgehen erneut. Ob diese Kündigung nun zurückgezogen wird, müsse noch beraten werden.

Kaske forderte eine Wachstumsstrategie für die AUA, die der wichtigste Partner des Flughafens Wien sei. Rede man weiter nur über Einsparungen, werde man in zwei Jahren wieder dort sein, wo man heute stehe. Die Sicherung des Standortes - sowie der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze - sei aus Sicht der Gewerkschaft wichtig, so der Gewerkschafter.

Mitterlehner begrüßte Konsenslösung

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) begrüßte die Grundsatzeinigung zwischen AUA-Führung und Bordpersonal. „Wir haben informell immer versucht, die Linie der AUA-Geschäftsführung, der Eigentümer, zu unterstützen“, sagte Mitterlehner am Vormittag am Rande einer Pressekonferenz in Wien.

Es handle sich um „eine Konsenseinigung, die dem gesamten Standort wirtschaftlich sehr nutzt“. „Es ist für eine Drehscheibe wie Österreich mit starken internationalen Anbindungen einfach notwendig, dass die Eigensteuerung auch im Flugbereich von uns ausgeht“, sagte Mitterlehner.

Lufthansa verlangt Sanierung

Eine tiefgreifende Tarifreform bei der AUA ist Teil eines heuer mehr als 220 Mio. Euro schweren Sparpakets, das die Lufthansa der AUA auferlegt hat. Es stand nicht viel weniger als eine positive Prognose auf dem Spiel, ob es mit der AUA im Lufthansa-Konzern so weitergehen kann wie bisher. Die Lufthansa hatte eine AUA-Sanierung zur Priorität erklärt und verlangte vom Vorstand aus Wien, bald einmal Ergebnisse zu liefern. Da wurde zuletzt ein Termin Anfang Mai genannt.

Die AUA hätte sich den Zwangsumstieg vorerst viel kosten lassen müssen. Bevor es langsam Einsparungen von Personalkosten gegeben hätte, wären vermutlich dreistellige Millionenbeträge an Abfertigungen angefallen, weil viele AUA-Piloten eine Bezügedegradierung unter Tyrolean abgelehnt und Sonderkündigungsrechte samt teuren Abfertigungen genutzt hätten. Auf 160 Mio. Euro wurden die Kosten und Folgekosten der Auslagerung AUA-intern zuletzt beziffert.

Zusammenführung AUA - Tyrolean „nicht über Nacht“

Es fallen nun auch ohne Betriebsübergang die teuren automatischen Vorrückungen (Inflationsausgleich) ebenso weg wie Pensionsprivilegien. Die Klausel, wonach Tyrolean-Piloten nicht auf den größeren AUA-Flugzeugen eingesetzt werden dürfen, fällt ebenfalls. Diese Klausel wurde von den AUA-Piloten jahrelang verbissen verteidigt.

Für die AUA-Bordleute bedeutet die Einigung auch längere Arbeitszeiten. An dem Streit hatte sich auch die Kluft innerhalb der Belegschaft (AUA/Tyrolean) vertieft. Zuletzt hatten alle Seiten Schlichter ins Haus geholt, darunter aus der Swiss. In der AUA und bei Tyrolean wird eine Zusammenführung der beiden Betriebe irgendwann doch für möglich gehalten, „aber nicht über Nacht“ und ohne weiteren Schaden für die Beteiligten.

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