US-Kulturhistoriker Carl Schorske in Wien geehrt

Der US-amerikanische Kulturhistoriker Carl Emil Schorske ist vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zum Ehrenbürger der Bundeshauptstadt ernannt worden. Bei einem Festakt am Dienstag würdigte der Stadtchef ihn als den Mann, „der uns unsere eigene Geschichte nahe gebracht hat“.

Der 97-jährige Wissenschaftler leistete mit seinem berühmten Buch „Fin-de-Siecle Vienna: Politics und Culture“ („Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siecle“) einen wichtigen Beitrag zur neueren österreichischen Geschichtsschreibung und machte das Wien der Jahrhundertwende weltweit populär.

„Ungeheure Wirksamkeit“

Wiens höchster Wissenschaftsbeamter, Hubert Christian Ehalt, betonte: „Ihre Arbeit hat ungeheure Wirksamkeit gezeigt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es ein Buch mit größerer Wirksamkeit gab über das Wien der Jahrhundertwende.“ Schorske, der mit seiner Ehefrau Elizabeth nach Wien kam, freute sich über die Auszeichnung: „Ich bin mir bewusst, dass dies eine seltene Ehrung ist, und umso dankbarer bin ich.“

Carl E. Schorske wurde am 15. März 1915 in New York geboren. Er studierte Geschichte und Kulturwissenschaften an den Universitäten Columbia und Harvard. Danach lehrte er zunächst an der Wesleyan University, dann an der University of California in Berkeley und schließlich an der Princeton University.

Bestseller über Wien mit 65 verfasst

Im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses stand und steht die europäische Geistes- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. Seine Österreich-Studien konzentrierten sich auf politische und kulturelle Strömungen in den letzten Jahrzehnten der Donaumonarchie.

Sein wohl bekanntestes Werk „Fin-de-Siecle Vienna: Politics and Culture“ brachte ihm 1981 den Pulitzer-Preis ein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war Schorske bereits 65, im gleichen Jahr emeritierte er in Princeton.