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Sponsor will anonym bleiben

An der Universität Maastricht (Niederlande) arbeiten Biologen an einem Forschungsprojekt, bei dem es um den „Nachbau“ von Fleisch im Labor geht. Etappenziel ist vorerst ein ganzer Hamburger. Noch seien die Forschungen in der Anfangsphase, sagte Projektleiter Mark Post Ende Februar anlässlich einer Konferenz im kanadischen Vancouver. Aber schon im Herbst soll der Kunstburger auf den Griller.

Für das Projekt sind rund 250.000 Euro veranschlagt, die der Wissenschaftler von einem privaten - unbedingt anonym bleiben wollenden - Sponsor erhielt. Nur so viel: Der Geldgeber sorge sich um die Umwelt und wolle dazu beitragen, „die Zahl der wegen ihres Fleischs getöteten Tiere und den aus der Nutztierhaltung resultierenden Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern“, sagte Post.

Die Konferenz in Kanada stand unter dem Titel „Die nächste Landwirtschaftsrevolution“. Mehrere Redner verwiesen dabei darauf, dass durch die Produktion von Fleisch aus Stammzellen die Nahrungsmittelindustrie komplett umgekrempelt werden könnte.

Gourmetkoch am Grill

Zubereiten soll den Burger Gourmetkoch Heston Blumenthal, der Küchenchef und Besitzer des Restaurants „The Fat Duck“ in der südenglischen Grafschaft Berkshire. Blumenthals „Fat Duck“ wurde vom Gourmetführer „Guide Michelin“ mit drei Sternen ausgezeichnet. Geht alles nach Plan, soll der Burger aus der Retorte - und zugleich der bisher wohl teuerste der Welt - im Oktober in Maastricht präsentiert und öffentlich verspeist werden. Wer ihn serviert bekommt, entscheidet Posts Sponsor. Der habe sich allerdings noch nicht entschieden, hieß es dazu im britischen „Independent“.

Post sagte gegenüber der American Association for the Advancement of Science (AAAS), einer renommierten Vereinigung von Wissenschaftlern, dass sein Experiment „ein Meilenstein“ in der Entwicklung künstlicher Proteinquellen sein werde. Er verwies darauf, dass sich die weltweite Nachfrage nach Fleisch bis 2050 laut Schätzungen verdoppeln werde.

Der „Bauplan“ für den Burger

„Im Oktober werden wir einen ‚Machbarkeitsbeweis‘ vorlegen, der zeigt, dass wir mit Methoden der In-vitro-Kultur aus Stammzellen ein Produkt erzeugen können, das aussieht und hoffentlich auch schmeckt wie Fleisch“, zitierte die britische Tageszeitung den Maastrichter Biologen. Dafür müssten die Forscher um Post allerdings erst rund 3.000 Muskelfasern und dazu Fettgewebe „nachbauen“, wie er sagte. „Solange das Patty (Fleischlaibchen, Anm.) die Größe eines normalen Hamburgers hat, bin ich zufrieden.“

Laut „Independent“ arbeitet „eine Handvoll Forscher“ in Maastricht seit sechs Jahren an einem Verfahren, Stammzellen aus Muskeln von Rindern zu gewinnen und daraus Muskelfasern im Labor zu züchten. Die technischen Herausforderungen seien hauptsächlich, dem Fleisch die natürliche rosa Färbung und auch eine - vor allem geschmacklich - richtige Textur zu geben.

Zentrale Idee: Weniger Tierhaltung

Die zentrale Idee hinter dem Projekt ist, dass sich mit Hilfe der Stammzellmethode aus dem Fleisch eines Rindes um ein Vielfaches mehr an Fleisch produzieren ließe als auf konventionelle Weise durch Mast. Das habe zugleich positive Folgen für die Umwelt, da weitaus weniger Tiere gehalten werden müssten, so Post. Seine Vision sei eine begrenzte Zahl von Spendertieren, aus denen Stammzellen für die Fleischproduktion gewonnen werden könnten. Tiere, die dafür getötet werden müssen, brauchte es allerdings weiterhin.

Post nannte gegenüber dem „Independent“ auch ökonomische Gründe. Tiere seien bei der Verwandlung von pflanzlichem in tierisches Eiweiß schlicht „ineffizient“: Für vergleichsweise wenig tierische Proteine braucht es viel pflanzliches Futter. „Derzeit nutzen wir rund 70 Prozent unserer landwirtschaftlichen Kapazitäten, um Fleisch aus Tierhaltung zu erzeugen. Wir brauchen Alternativen“, so der Forscher. „Wenn wir nichts tun, wird Fleisch zum Luxusnahrungsmittel und sehr teuer.“

Gesünder aus der Retorte?

Post glaubt außerdem, dass tierische Proteine aus dem Labor auch Tierschützern und Vegetariern sympathischer sein könnten als Fleisch aus der Schlachtung. Schließlich ließen sich auch noch Fettgehalt und andere gesundheitlich relevante Parameter im Labor steuern, so der Wissenschaftler. „Wir können Fleisch wahrscheinlich gesünder machen.“

Ob Retortenfleisch am Ende tatsächlich Anklang finden oder doch eher mit „Frankenstein-Nahrung“ („Independent“) assoziiert werden würde, wird sich zeigen. Eine Onlineabstimmung des britischen „Guardian“ - „Ja, ich würde Laborfleisch essen“ versus „Nein, hier geht die Wissenschaft zu weit“ - endete mit knapp 68:32 Prozent.

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