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Es müssen nicht immer Gedichte sein

Während der Muttertag hierzulande aus Basteleien, oft stockend vorgetragenen Gedichten, Essenseinladungen und glücklichen Blumengeschäftsbesitzern besteht, wird anderswo ganz anders gefeiert. Selbst in Europa unterscheiden sich die Bräuche und auch das Datum, an dem gefeiert wird, erheblich.

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In Frankreich und Großbritannien ist es etwa üblich, einen speziellen Muttertagskuchen zu backen. Bei den Briten heißt der „Simnel“ - der Legende nach wegen der Geschwister Simon und Nell, die sich nicht einigen konnten, ob sie ihn kochen oder backen sollten - und schließlich beides taten. Heute besteht der „Simnel“ aus Früchtebiskuit und einer Marzipanschicht. Am anderen Ende der Skala steht wohl ein Brauch aus Serbien: Dort muss sich die Mutter bei ihren Kindern mit Süßigkeiten „erkaufen“, dass sie in der Früh aufstehen darf.

Mutterfeste schon in heidnischen Kulten etabliert

Die Daten variieren ebenfalls deutlich - von Norwegen im Februar bis Russland im November. Dort ist der Muttertag aber kaum bekannt. Auch die sowjetische Geschichte bedingt, dass Mütter dort am „Tag der Frau“ gefeiert werden. Überhaupt ist der Muttertag oft politisch überlagert. Hierzulande wurde er erst von den Nazis zum Feiertag erklärt, zur gleichen Zeit bei den damaligen Verbündeten in Japan aber verboten, weil er eine Erfindung der US-Frauenrechtlerin Ann Jarvis aus dem Jahr 1908 war.

Mutterfeste gab es freilich schon vorher. Die erste urkundliche Erwähnung eines „Mothering Day“ datiert aus dem England des Jahres 1644. Man kann den Beginn der „Muttertage“ aber noch viel früher ansetzen: Nicht umsonst schuf die katholische Kirche das Fest Mariä Empfängnis, um heidnischen Mutterkultfesten etwas entgegensetzen zu können. Bis heute wird der Muttertag in Panama am 8. Dezember gefeiert. In vielen Ländern gibt es nach wie vor Fruchtbarkeitsfeste, bei denen auch Mütter geehrt werden.

Albanien und Südkorea fortschrittlicher als alle

In Äthiopien etwa wird zu Beginn der Regensaison im Herbst ein mehrtägiges Fest gefeiert, bei dem sich alle Kinder im Elternhaus einfinden. In Indien gibt es sowohl den modernen Muttertag im Mai als auch das zehntägige Fest „Durga Puja“ im Oktober. Dieses ist der gütigen und auch strafenden Göttin Durga gewidmet.

Angesichts des meist stiefmütterlich behandelten Vatertags sind darüber hinaus nur zwei Länder wirklich fortschrittlich: Albanien und Südkorea feiern am 8. Mai „Elterntag“.

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