Geringe Wahlbeteiligung bei Präsidentenwahl in Serbien

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Die Stichwahl um die Präsidentschaft in Serbien hat die meisten Wähler kalt gelassen. Sieben Stunden nach Öffnung der Wahllokale lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 23,2 Prozent. Umfragen zufolge führte zunächst Amtsinhaber Boris Tadic.

Experten gehen jedoch davon aus, dass vor allem der rechtspopulistische Oppositionsführer Tomislav Nikolic von einer geringen Wahlbeteiligung profitiert. Sie rechnen damit, dass eher die Anhänger des Herausforderers den Weg zur Urne suchen. Insgesamt sind 6,7 Millionen Serben wahlberechtigt.

Knapper erster Wahlgang??

Serbien kämpft mit einer Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. Beide Kandidaten befürworten einen Beitritt des Balkanstaates zur EU. Herausforderer Nikolic bekannte sich aber erst kürzlich zu einer EU-Mitgliedschaft Serbiens. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen hatte Tadic Nikolic knapp mit weniger als einem Prozentpunkt geschlagen. Erste Hochrechnungen werden um 22.00 Uhr erwartet. Die Wahllokale schließen zwei Stunden vorher.

Sollte Tadic die Stichwahl für sich entscheiden, wäre es seine dritte Amtszeit. Er ist seit 2004 Präsident der Serben und will das Land möglichst schnell in die EU führen. „Heute ist ein äußerst wichtiger Tag. Es ist eine Möglichkeit für uns, die Ausrichtung des Landes hin zu Europa zu bestätigen“, sagte Tadic bei der Abgabe seiner Stimme in Belgrad.

Tadic warnt vor Nikolic-Wahl

Der 54-jährige Demokrat wirft Nikolic vor, sein Richtungswechsel hin zur EU sei nur vorgeschoben. Nikolic von der Serbischen Fortschrittspartei kommt aus dem ultranationalistischen Lager und gehörte zur Regierungskoalition um den inzwischen verstorbenen Ex-Staatschef Slobodan Milosevic, als die NATO 1999 mit Bombenangriffen auf Serbien in die Balkankriege eingriff. Nikolic versucht sich seit einiger Zeit verstärkt, als pro-europäischer Konservativer zu positionieren.

Zudem wäre der Kurs der Versöhnung mit den Nachbarn des ehemaligen Jugoslawiens gefährdet, den das Land seit dem Ende der Herrschaft Milosevics im Jahr 2000 vorantreibt, mahnte Tadic. Die EU hat eine Verbesserung der Beziehungen Serbiens zum Kosovo zur Bedingung für Aufnahmegespräche gemacht.