Hinweise auf Mordanschlag in Assads innerem Kreis

Das syrische Regime bemüht sich seit Tagen, Spekulationen über einen Giftmord im innersten Kreis der Macht zu entkräften. Doch gleichzeitig dringen immer mehr Details über das angebliche Komplott gegen die Mitglieder des Krisenstabs von Präsident Baschar al-Assad an die Öffentlichkeit.

Präsidentenschwager offenbar tot

In einem internen Internetgesprächskreis der „Union der Koordinierungskomitees der Syrischen Revolution“ hieß es heute: „Wir können bestätigen, dass Asef Schawkat, der Schwager des Präsidenten, tot ist.“ Der Nachrichtensender al-Arabija meldete, in al-Madahle, dem Heimatdorf von Schawkat, trauerten die Menschen um den Ehemann von Assads Schwester Buschra.

Schawkat, der in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Positionen im Sicherheitsapparat besetzte, hatte in den vergangenen Monaten eine wichtige Rolle bei der Unterdrückung des Aufstands gespielt.

Giftanschlag von Assad-Gegnern

Am Samstag behaupteten Assad-Gegner, die sich selbst als Brigade der „Freien Syrischen Armee“ in Damaskus bezeichnen, sie hätten Schawkat und fünf andere Mitglieder eines Krisenstabs während einer Zusammenkunft in der Hauptstadt vergiftet.

Einen Tag später traten jedoch zwei der Totgesagten - Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar und General Hassan Turkmani, der Assistent des Vizepräsidenten - im staatlichen Fernsehen auf, um die vom arabischen TV-Sender al-Jazeera verbreitete Nachricht über den Giftmord zu dementieren.

Gattin soll Krankenhaus aufgesucht haben

Später revidierte die Opposition ihre Angaben und erklärte, einige der insgesamt sechs Mitglieder des Krisenstabes hätten die Giftattacke offensichtlich überlebt. Schawkat sei jedoch ganz sicher tot. Seine Leiche sei gestern per Helikopter in sein Heimatdorf gebracht und dort beigesetzt worden.

Ebenfalls gestern hätten der Präsident und seine Frau Asmaa das Al-Schami-Krankenhaus in Damaskus aufgesucht, in das die vergifteten Mitglieder des Krisenstabes am Samstag gebracht worden seien.

In einem Bekennervideo hieß es, Regimegegner hätten die Männer zwei Monate lang überwacht. Erst dann sei es ihnen gelungen, ihnen Gift in ihre Getränke zu mischen. Ein ehemaliger hochrangiger Offizier erklärte, der Tod von Schawkat sei ein schwerer Schlag für das Regime, da der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Schwager im Sicherheitsapparat mehr Unterstützung genossen habe als Präsident Assad.