Schweiz bereitet sich auf verschärfte Euro-Krise vor

Das Nicht-Euro-Land Schweiz arbeitet an einem Notfallplan für den Fall einer Eskalation im Euro-Währungsraum. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Amman sagte gestern dem Schweizer Radio, eine Arbeitsgruppe solle Vorschläge erarbeiten, was die Regierung zur Stützung des Finanz- und Arbeitsmarktes tun könne, falls die Wirtschaft vom schlimmsten Fall der Fälle getroffen werde.

Auch die Schweizer Nationalbank werde viel zu tun haben, denn der Druck auf den Schweizer Franken werde im Falle einer „unkontrollierten Situation“ steigen.

Angesichts der politischen Wirren in Griechenland gibt es auch in der Euro-Zone Planspiele für eine Zukunft ohne Griechenland. Die EU-Kommission und die EZB arbeiten EU-Handelskommissar Karel de Gucht zufolge an entsprechenden Notfallszenarien.

Lagarde hat „wenig Mitleid“ mit Griechenland

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, ließ unterdessen mit ungewöhnlich offenen Worten an die Adresse Griechenlands aufhorchen: Sie hat nach eigener Aussage nur begrenzt Mitleid mit den vom Sparzwang gebeutelten Griechen. „Ich finde, sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen“, sagte Lagarde in einem Interview der britischen Zeitung „The Guardian“ (Samstag-Ausgabe).

Der Druck auf Griechenland seitens des IWF werde nicht reduziert werden. Auf die Frage, ob sie Gedanken daran ausblenden könne, dass Mütter in Griechenland keine Hebammen und Patienten keine lebenswichtigen Medikamente bekommen könnten, antwortete sie: „Ich denke mehr an die kleinen Kinder in einer kleinen Dorfschule in Niger, die zwei Stunden am Tag Schule haben, während sie sich zu dritt einen Stuhl teilen, und die sehr darauf erpicht sind, eine Ausbildung zu bekommen. Sie sind die ganze Zeit in meinem Kopf. Denn ich glaube, sie brauchen noch mehr Hilfe als die Menschen in Griechenland.“

„Zahltag gekommen“

Der „Guardian“ fragte auch, ob Lagarde ähnlich wie andere in Europa denke, Griechenland habe es sehr gut gehabt und nun sei der Zahltag gekommen. Ihre Antwort: „Das ist richtig.“ Es sei die Aufgabe des IWF und ihr Job, die Wahrheit zu sagen und den Ländern harte Konditionen aufzuerlegen.