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Christov-Bakargiev sorgt für Debatten

Die Löwenmähne und das Malteserhündchen Darsi sind ihre Markenzeichen: Carolyn Christov-Bakargiev ist die künstlerische Leiterin der documenta (13). Die Schau der 100 Tage gilt noch immer als wichtigste Ausstellung der Welt. Behutsam tritt Christov-Bakargiev in der Öffentlichkeit dennoch nicht auf.

Die 54-Jährige ist eine echte Weltbürgerin. Sie wuchs in New Jersey auf, ihr Vater war ein bulgarischer Arzt, die Mutter eine italienische Archäologin. Sie studierte Kunstgeschichte und andere Geisteswissenschaften in Pisa, arbeitete am Castello di Rivoli in Turin und für einen MoMA-Ableger in New York. 2008 leitete sie die Biennale in Sydney. Christov-Bakargiev schrieb Bücher über die italienische Arte Povera und den Südafrikaner William Kentridge.

2008 berief die Geschäftsführung der documenta Christov-Bakargiev als neue documenta-Leiterin, ein Posten, der traditionell alle fünf Jahre neu vergeben wird. Die Mutter zweier Kinder ist erst die zweite Frau in der Geschichte der Ausstellung nach der Französin Catherine David (1997). „Sie ist erbarmungslos und fordert einen hohen Standard und holt so das beste aus den Künstlern heraus“, sagte damals der Sprecher der Findungskommission, Kasper König vom Kölner Museum Ludwig.

Diskussionen als Erfolgsparameter

Ihre documenta werde „vielleicht weniger spektakulär sein als manche vorhergehenden Ausstellungen“, hatte die Chefin 100 Tage vor Eröffnung der Schau in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Ihre Ziele? „Wenn diskutiert wird, dann würde ich sagen: Das war eine erfolgreiche Ausstellung. Kunst ist für mich ein Ort, um Fragen zu stellen, nicht um Antworten zu geben.“

Obwohl Christov-Bakargiev viel und gern redet, sagt sie doch meist wenig Konkretes: „Ich bin nicht so sehr interessiert an Konzepten als Prozessen, also daran, wie Kunst entsteht“ ist so ein Satz. Sie gilt als gut vernetzt und vielseitig interessiert, als temperamentvoll und durchsetzungsfähig, aber auch als schwer zu fassen. „Madame Maybe“ nannte sie das Kunstmagazin „art“.

Kuratorin mit Tiertick

Die Kuratorin ist bekennende Hundeliebhaberin, sie besitzt eine Malteserhündin namens Darsi und brachte - als eine Art Adventkalender bis zum documenta-Start - einen Kalender mit Tierbildern von Künstlern und Mitarbeitern heraus. Laut „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ („HNA“) werden auf der documenta „Multispezies“-Führungen mit und für Hunde angeboten, „bei denen ausgelotet werden soll, wie unterschiedlich Menschen und Hunde auf Kunstobjekte im Außenraum reagieren“.

In den Wochen vor der Eröffnung sorgte sie für einiges Kopfschütteln. Von einer vom documenta-Areal aus sichtbaren Skulptur, die zu einer kirchlichen Ausstellung gehört, fühlte sie sich „bedroht“ und in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt. Dem Kunstmagazin „monopol“ sagte sie: „Zu meiner Konzeptlosigkeit gehört, dass ich nie über Kunst spreche.“ Und in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ plädierte sie für ein Wahlrecht für Hunde und Erdbeeren.

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