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Anzeige auch gegen Sender

Der rechtsextreme griechische Abgeordnete, der vor laufender Kamera zwei Kolleginnen angegriffen hatte, hat Klage gegen seine Opfer eingereicht. Ilias Kasidiaris reichte am Montag in Athen bei der Justiz gegen die beiden linken Abgeordneten Klage wegen Beleidigung ein.

Der Neonazi, der am 6. Mai für die rechtsextreme Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte) ins Parlament gewählt worden war, ist selbst wegen des Angriffs am Donnerstag der versuchten schweren Körperverletzung angeklagt.

Von Frauen „provoziert“

Kasidiaris hatte in einem Fernsehstudio vor laufenden Kameras ein Wasserglas auf die Abgeordnete Rena Dourou vom Linksbündnis SYRIZA geschleudert und dann die Kommunistin Liana Kanelli dreimal ins Gesicht geschlagen. Anschließend floh er aus dem Studio. Wie Kasidiaris am Montag im Radio sagte, habe er die zwei linken Politikerinnen angezeigt, weil sie ihn dazu provoziert hätten, „so zu handeln, wie er gehandelt hat“.

TV-Grab von der Prügelszene

AP/Antena TV/Dimitri Messinis

Die Attacke vor laufenden Kameras

Den Sender ANT1 zeigte er an, weil einige Angestellte versucht hätten, ihn nach dem Zwischenfall festzuhalten. Zudem habe er einen weiteren Gesprächspartner der Talkshow im Morgenmagazin angezeigt, weil dieser die Staatsanwaltschaft angerufen und sie dazu bewegt habe, ihn strafrechtlich zu verfolgen. Das sei eine indirekte Aufforderung zur Überschreitung der Befugnisse einer Staatsanwaltschaft, hieß es.

Auf Raubüberfall angesprochen

Bereits am Vortag hatte der Chef der Neonazipartei, Nikolaos Michaloliakos, die Aktion von Kasidiaris verteidigt. „Die Frauen sollten nicht meckern. Sie wollten doch Gleichberechtigung“, sagte er im zyprischen Fernsehsender Sigma.

Auslöser der Angriffe war eine Anmerkung der SYRIZA-Vertreterin zu Kasidiaris’ mutmaßlicher Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall 2007. Das Verfahren wegen des Vorfalls wurde am Montag zum wiederholten Male vertagt.

Parteifreunde nach Schlägerei verhaftet

In der nordgriechischen Stadt Veria kam es Medienberichten zufolge zu einem weiteren Zwischenfall mit Chryssi-Avgi-Mitgliedern: Ein Parlamentskandidat und sieben seiner Parteifreunde wurden nach einer Schlägerei am Samstag verhaftet. Die Männer hatten beim Verteilen von Flugblättern einen Streit losgetreten und überfielen danach ein Cafe, in dem ihre Kontrahenten saßen. Es gab sechs Verletzte.

Chryssi Avgi hatte bei der Parlamentswahl am 6. Mai 6,9 Prozent der Stimmen erhalten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Militärherrschaft 1974, dass eine eindeutig neonazistische Partei den Einzug ins Parlament schaffte. Nach jüngsten Umfragen könnte sie nach der Parlamentswahl am 17. Juni im Parlament bleiben.

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