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Amman gewährt politisches Asyl

Ein syrischer Militärpilot ist mit seinem Kampfflugzeug vom Typ MiG-21 ins benachbarte Jordanien desertiert. Nach der Landung auf dem Militärflughafen der nordjordanischen Stadt Mafrak bat er um politisches Asyl. Es handelte sich um den ersten Vorfall dieser Art seit dem Beginn es Aufstandes gegen Machthaber Baschar al-Assad. Amman gewährte dem geflohenen Piloten Asyl.

Das Kabinett habe Oberst Hassan Hamadas Asylantrag entsprochen, sagte der jordanische Informationsminister Samih Maaitah am Donnerstag. Der Kampfpilot war am Vormittag im Norden Jordaniens gelandet. Das syrische Verteidigungsministerium kündigte eine harte Bestrafung für den Piloten an. Der spektakuläre Vorfall dürfte nicht nur die Beziehungen der beiden Nachbarn belasten, sondern auch den Rebellen einen Motivationsschub geben.

Im Tiefflug über die Grenze

Nach Angaben des jordanischen Militärs setzte die Maschine auf einem grenznahen jordanischen Luftwaffenstützpunkt auf. Der oppositionelle Syrische Nationalrat bestätigte den Vorfall. Ein Sprecher sagte, der Kampfpilot sei im Tiefflug über die Grenze geflogen, um dem Radar auszuweichen.

Zuvor hatte das syrische Fernsehen berichtet, die Luftüberwachung habe den Kontakt zu einer MiG-21 verloren, die einen Übungsflug absolviert habe. Seit Beginn des Aufstandes kehrten Tausende syrische Soldaten der Armee den Rücken, um sich der oppositionellen „Freien Syrischen Armee“ anzuschließen - der Fall eines geflohenen Piloten ist jedoch in Syrien seit dem Beginn des Aufstandes im März 2011 bis dato einzigartig.

Mehr als 15.000 Tote

Die Opferzahlen stellen das Ausmaß der Gewalt im Land dar: Seit dem Beginn des gewaltsamen Konflikts wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 15.000 Menschen getötet. Bei den Opfern handle es sich um fast 10.500 Zivilisten, mehr als 3.700 Soldaten und 830 Deserteure der syrischen Armee, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mit. „Wenn die Weltgemeinschaft weiter schweigt und sich damit begnügt, die Lage zu beobachten, wird noch mehr Blut fließen“, kritisierten die Aktivisten.

Auch am Donnerstag wurden in Syrien nach Angaben der Beobachtungsstelle landesweit wieder etwa 40 Menschen getötet. Für den Vortag bezifferten die Aktivisten die Zahl der Todesopfer auf fast 100. Die Armee nahm am Donnerstag erneut die zentralsyrische Oppositionshochburg Homs und die nahe Stadt Kussair unter Beschuss, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Kussair war von der Armee umstellt, über der Stadt kreisten Hubschrauber.

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