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Vieles müsste repariert werden

Schlaglochpisten, langsame Züge, gekappte Stromleitungen, einsturzgefährdete Brücken, löchrige Wasserleitungen: Die Infrastruktur der USA ist in weiten Bereichen reparaturbedürftig. Das ist eine Tatsache, auf die der US-Ingenieursverband American Society of Civil Engineers (ASCE) seit geraumer Zeit meist erfolglos hinweist.

Stromnetze: Die oberirdischen Kabel sind extrem anfällig. Beschädigt etwa ein herabfallender Ast die Stromleitung, gehen gleich im ganzen Viertel die Lichter aus. Weil das bei fast jedem Sturm passiert, raten Elektrizitätswerke den Bürgern zum Kauf von Generatoren. Als 2003 der Orkan „Isabel“ die Ostküste der USA heimsuchte, saßen zeitweise 45 Millionen Amerikaner im Dunkeln. Auch nach den schweren Unwettern und orkanartigen Niederschlägen Ende Juni 2012 waren Millionen im Osten der USA ohne Strom.

Straßen: Ein Drittel aller Hauptstraßen sind in keinem guten Zustand. 36 Prozent aller städtischen Autobahnen gelten als ständig überlastet. Hauptprobleme sind Schlaglöcher und Risse im Asphalt.

Bahn: Der Schienenverkehr gilt als unzuverlässig. Zugsreisende kommen in Europa bei bis zu 90 Prozent der Fahrten pünktlich an, in den USA bei 77 Prozent. Es gibt kein Hochgeschwindigkeitsschienennetz. Der Schnellzug „Acela Express“ von Boston über New York nach Washington kann nur auf wenigen Gleisabschnitten mit voller Geschwindigkeit fahren, im Schnitt sind es 115 Kilometer pro Stunde.

Flughäfen: Viele der oft überalterten Flughäfen sind überlastet, Verspätungen sind an der Tagesordnung. Das aus den 1950er Jahren stammende Flugleitsystem sollte nach Expertenansicht durch effizientere Modelle ersetzt werden. Drei Prozent aller Start- und Landebahnen sind in schlechtem Zustand.

Brücken: Mehr als ein Viertel der rund 600.000 Brücken entsprechen nicht mehr dem optimalen Sicherheitsstandard, über 160.000 gelten sogar als einsturzgefährdet. 2007 starben beim Einsturz einer überalterten Autobahnbrücke in Minneapolis 13 Menschen.

Trinkwasser: Viele veraltete Wasserwerke warten auf ihre Sanierung. Die meisten Rohrleitungen sind mehr als 60 Jahre alt, viele mehr als 100 Jahre. Durch Lecks versickern Tag für Tag knapp 30 Millionen Liter Wasser im Erdreich. Allein die erforderliche Sanierung des Leitungssystems würde in den kommenden 20 Jahren insgesamt rund 300 Milliarden Dollar kosten.

Staudämme: Das Durchschnittsalter der mehr als 85.000 Dämme in den USA liegt bei 51 Jahren. Über 4.000 davon weisen gravierende Sicherheitsmängel auf. Der Bundesstaat Texas zum Beispiel setzt lediglich sieben Ingenieure für die Überwachung seiner mehr als 7.400 Dämme ein.

Schulen: Der Ingenieursverband ASCE beklagt, dass eine aktuelle landesweite Übersicht über den Bauzustand öffentlicher Schulen in den USA fehlt. Ende der 1990er Jahre sei bei einem Drittel der Schulgebäude eine umfangreiche Sanierung erforderlich gewesen. Jährlich werde nur gut ein Drittel der für Sanierung und Neubauten erforderlichen Summe investiert. 2005 nutzten 37 Prozent aller Schulen improvisierte Klassenräume aus Fertigbauteilen.

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