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Bauboom längst vergangener Tage

Ein Steckenpferd der ehemals boomenden spanischen Bauwirtschaft hätte das Projekt sein sollen: der Flughafen Ciudad Real, der als Zeichen des Wohlstands als Alternative zum Madrider Flughafen Barajas errichtet worden war. Doch seit der Eröffnung im Dezember 2008 und nach dem Platzen der Immobilienblase hat sich auf dem 220.000 Quadratmeter großen Areal nicht viel getan.

Die Anlage, der ursprünglich Don Quijote Airport hieß, konnte Zeit ihres Betriebs keine nennenswerte Zahl von Reisenden anlocken. Im ersten Halbjahr 2011 wurden dort gerade einmal 100.000 Fluggäste abgefertigt - mit 2,5 Millionen war im Vorhinein kalkuliert worden. Monatelang landeten auf dem Flughafen in der Region Kastilien-La Mancha hauptsächlich Privatjets. So auch etwa der britische Prinz Harry, der auf einem Areal im Besitz des Königshauses unweit von Ciudad Real des Öfteren zur Wildschweinjagd ausrückte, wie die britische „Daily Mail“ anmerkte.

Betrieb nach drei Jahren eingestellt

Nach dreijährigem Betrieb wurden im Dezember 2011 die Gates aber endgültig außer Betrieb gesetzt, Spaniens erster internationaler Flughafen in Privatbesitz sollte nach der Anordnung des Handelsgerichts in Ciudad Real für mindestens ein Jahr geschlossen werden. Das Gericht folgte damit einem Antrag der Konkursverwalter. Seit der Schließung ist der Flughafen dem Verfall ausgesetzt, verwaiste Wartehallen sind dabei noch das optische Highlight, schließlich sind diese noch relativ neu.

Tower des Flughafens von Ciudad Real

AP/Paul White

Einsam ragt der überdimensionale Flughafentower aus dem Gelände hervor. Auch dem Hinweisschild folgt hier niemand mehr.

Schnellzug fährt durch

Der an den Flughafen angeschlossene Hochgeschwindigkeitszug hätte einen Anschluss in das etwa 200 Kilometer entfernte Madrid geboten, die Distanz ist damit in nur 50 Minuten zurückzulegen. Auch die andalusische Küste sowie die Metropole Sevilla sind binnen weniger Stunden erreichbar.

Doch die Flughafenhaltestelle wurde aufgelassen, anstatt Menschenmengen tummeln sich dort nur mehr sich rasch vermehrende Rostflecken. Und der Zug fährt durch, als hätte sich dort nie eine Haltestelle befunden.

Gelbe Kreuze auf Landebahnen

Im Vorhinein investierte die sozialistische Regionalregierung Millionen, um den Standort aufzubauen, in Gang zu bringen und breitenwirksam zu bewerben. Im vergangenen Oktober wurde dann schließlich der letzte Linienflug abgefertigt - ein Transfer der spanischen Linie Vueling. Der Flughafen war danach noch ein halbes Jahr geöffnet, das Personal musste noch weiterbezahlt werden - schließlich hatte hin und wieder noch ein Privatjet Ciudad Real als die passende Destination auserkoren.

Das endgültige Ende war im April besiegelt, der Flugverkehr ist seitdem komplett eingestellt, lediglich Wartungsarbeiten werden auf dem Areal noch ausgeführt. Doch diese Wartung schließt auch seltsame Maßnahmen ein: So wird die 4.000 Meter lange Landebahn ständig mit gelben Kreuzen bemalt, sodass Piloten leicht erkennen, dass sie auf diesem Flughafen nicht landen können.

Flughafen von Ciudad Real

AP/Paul White

Längst haben allerlei Gewächse das Flughafenareal in Beschlag genommen

Keine einzige Landung

Ciudad Real ist aber nicht das einzige Beispiel überflüssiger Großinvestitionen. Und in der Tat gibt es mit dem Flughafen Castellon in der südostspanischen Region Valencia einen noch schwächer frequentierten Flughafen: Hier ist überhaupt nie jemand abgeflogen oder gelandet.

Der Castellon Airport wurde nach siebenjähriger Bauzeit Ende März 2011 offiziell eingeweiht, nahm aber den Flugbetrieb bis dato nicht auf, da die Genehmigungen seitens der Behörden dafür noch ausständig sind - die Landebahnen erfüllten die offizielle Breitenvorgabe nicht. Die Baukosten betrugen 150 Millionen Euro. Die Regionalregierung vereinbarte außerdem, dass die Verluste der ersten acht Betriebsjahre von der öffentlichen Hand getragen werden.

Sinn fragwürdig

Der Castellon-Flughafen sollte Touristen in die gleichnamige Provinz bringen, die bisher als einzige Küstenprovinz am Mittelmeer keinen eigenen Flughafen besaß. Doch kamen schon in Vorhinein immer wieder Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Projekts auf, schließlich liegen die Flughäfen Reus und Valencia nur etwa 50 Fahrminuten entfernt.

Mit Argumenten für den Bau waren die Befürworter allerdings mehrfach zur Stelle: So sollte neben dem Einzugsgebiet ein Themenpark mit Golfplätzen und Hotels bedient werden, die jedoch nur teilweise realisiert wurden.

Kostspielige Geisterstädte

Doch auch andere Infrastrukturen sind dem Verfall ausgeliefert, ohne dass ein Mensch sie je bewohnt hätte. So sind manche Regionen mit leeren Gebäuden und kargen Straßenzügen und unkrautüberwachsenen Gartenanlagen übersät. Für viele Spanier, die ihre Ersparnisse in Zeiten des wirtschaftlichen Booms in vermeintliches Betongold gesteckt haben, ist mit dem Platzen der Immobilienblase das böse Erwachen gekommen – die Immobilien werfen nicht einmal die Hälfte des ursprünglichen Preises ab, und trotzdem finden sie nur sehr schwer Käufer.

Ein großangelegter Bauflop ist das Madrider Vorstadtviertel Sesena: Hier prangt ein überdimensioniertes und zugleich unbewohntes Hochhaus neben dem anderen – Platz wäre für 30.000 Menschen. Die einzige Bankfiliale in „Manhattan“, wie das bombastische Bauprojekt abschätzig genannt wird, ist seit zwei Jahren geschlossen.

Außerdem sind von den 13.000 Wohnungen lediglich knapp über 5.000 fertiggestellt. Diese wurden zwar verkauft, die Besitzer wollen sie aber nur zu gern loswerden - und das im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis. Auch hierorts wollen oder können nur wenige kaufen, die Häusergerippe sind folglich ausschließlich dem Verfall ausgesetzt.

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