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Drei Regimegrößen getötet

In Syrien hat der Machtzirkel von Machthaber Baschar al-Assad einen immens harten Schlag erlitten: Verteidigungsminister Dawud Radschiha und Assif Schaukat, der Schwager von Präsident Baschar al-Assad, sind am Mittwoch bei dem Anschlag auf ein Gebäude der Nationalen Sicherheit in Damaskus getötet worden.

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Zudem ist nach Informationen der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London ein dritter hoher Repräsentant der Führung in Damaskus tödlich getroffen worden. General Hassan Turkmani, der die Krisenzelle zur Zerschlagung der Rebellion leitete, ist laut Staats-TV seinen Verletzungen erlegen.

Streng bewachtes Gebäude

Aus offiziellen Kreisen verlautete zuvor, Assad-Schwager Schaukat - er war ein ranghoher Kommandeur der Streitkräfte und Stellvertreter Radschihas - sei im Krankenhaus in Damaskus gestorben, in das er nach dem Anschlag gebracht worden sei. Das Attentat in dem streng bewachten Gebäude musste von einer Person des inneren Kreises des Assad-Regimes ausgeführt worden sein: Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge soll es sich um einen Leibwächter handeln. Das Regime wies das umgehend zurück: Die Tat habe ein „Terrorist“ verübt. Der Anschlag bestärke die Armee darin, „das Vaterland von den Resten der terroristischen Banden zu säubern“, kündigte das Militär über das Staatsfernsehen Vergeltung an.

Assads Schwager Assef Shawkat

Reuters/Khaled Al Hariri

Assad-Schwager Schaukat war stellvertretender Kommandant der Streitkräfte

Attentäter trug Sprengstoffgürtel

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen erfuhr, zündete der Attentäter im Versammlungssaal des streng gesicherten Gebäudes einen Sprengstoffgürtel. Radschiha und Schaukat sind die ersten beiden Regierungsmitglieder, die seit Beginn der Revolte im März 2011 getötet wurden. Schaukat als ehemaliger Militärgeheimdienstchef und früherer stellvertretender Generalstabschef für Sicherheitsangelegenheiten war für die Opposition eine der meistgehassten Persönlichkeiten innerhalb der Regierung. Er war mit Assads Schwester Buschra verheiratet.

Zustand des Innenministers unklar

Unklar ist weiterhin der Zustand von Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar. Mehrere arabische Sender berichteten vom Tod des Politikers. Dem Staatsfernsehen zufolge war sein Gesundheitszustand stabil. Bei dem Attentat wurden laut Staatsfernsehen weitere Menschen verletzt, darunter auch der Leiter der Behörde für Nationale Sicherheit, Hischam Ichtiar. Letzterer gilt als eine der treibenden Kräfte bei der Niederschlagung der syrischen Aufständischen.

Das Gebäude seiner Behörde gilt als Symbol für die Unterdrückung. Alle Verletzten seien ins Al-Schami-Krankenhaus gebracht worden. Unterdessen wurde bereits Fahad Dschassim al-Freidsch zum neuen Verteidigungsminister ernannt.

Syriens Leiter der zentralen Krisenstelle, Hassan Turkmani und syriens Machthaber Bashr al-Assad

APA/EPA/SANA

General Turkmani (l.) war für die Niederschlagung der Rebellion verantwortlich, im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen

Zwei Gruppen bekannten sich

Unterdessen bekannte sich die Freie Syrische Armee (FSA) zu dem Selbstmordanschlag. Sie besteht größtenteils aus bewaffneten Einheiten von Deserteuren der syrischen Regierungstruppen. In einer per E-Mail bei AFP in Beirut eingegangenen Mitteilung erklärte die FSA am Mittwoch, der Anschlag sei ein „Erfolg“ gewesen.

Mehrere Verantwortliche der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad, „die für barbarische Massaker verantwortlich sind“, seien getroffen worden. Doch auch „Liwa al-Islam“ („Die Brigade des Islam“, Anm.), eine Gruppe islamistischer Rebellen, hat sich zuvor zu dem Attentat bekannt. Das angegriffene Gebäude befindet sich im Zentrum der syrischen Hauptstadt in einem stark abgesicherten Viertel.

Militärs setzen sich weiter in die Türkei ab

Die Unterstützung für Assad bröckelt unterdessen auch in den Streitkräften. Immer mehr hochrangige Militärs setzen sich in das Nachbarland Türkei ab. Wie aus türkischen Behördenkreisen verlautete, flüchteten seit Dienstag wieder 600 Syrer über die Grenze. Darunter seien auch zwei Brigadegeneräle. Damit bietet die Türkei nun 20 Generälen aus Syrien Zuflucht.

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