Türkei: Blutige Krawalle in Flüchtlingscamps für Syrer

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In zwei Lagern für syrische Flüchtlinge in der Türkei sind Flüchtlinge und Polizisten heute zusammengestoßen. Nach türkischen Angaben setzten die Beamten Tränengas gegen steinewerfende Syrer in der südtürkischen Provinz Kilis ein. Nach Angaben der Bewohner einer Containerstadt, in der derzeit 15.000 Flüchtlinge Unterschlupf gefunden haben, wurden bei den Zusammenstößen zwei Menschen getötet. Die türkische Seite bestätigte das jedoch nicht.

Mangelhafte Versorgung als Auslöser?

Auslöser der Gewalt war nach Angaben von Flüchtlingen mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Geld. „Jeder wird hier verhungern“, beklagte der Syrer Sabri Hallac. Zudem würden die Flüchtlinge von den türkischen Sicherheitskräften genauso schlecht behandelt wie in Syrien. Die meisten Flüchtlinge versammelten sich nach den Zusammenstößen vor den Lagern. Einige machten sich auf den Rückweg in ihre Heimat.

Die Containerstadt liegt in der Nähe des türkischen Grenzposten Öncüpinar und des syrischen Grenzposten al-Salama. Letzteren hatten die syrischen Rebellen am Sonntag unter ihre Kontrolle gebracht. Insgesamt bietet die Türkei derzeit mehr als 40.000 Syrern Zuflucht. Sie sind in zehn Flüchtlingslagern entlang der Grenze untergebracht.

Blutige Kämpfe in Damaskus und Aleppo

Die syrische Armee hat nach Angaben von Aktivisten unterdessen neue Angriffe gegen Rebellen in mehreren Stadtteilen der Hauptstadt Damaskus und der Wirtschaftsmetropole Aleppo gestartet. In Damaskus rücke die Armee mit Panzern in den umkämpften Stadtteil Barse ein, es gebe heftige Gefechte, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Damaskus „massiv bombardiert“

Wie der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete, sollen Kampfhubschrauber den Bezirk Barse mit Raketen beschossen haben. „Es gibt heftige Explosionen“, sagte der syrische Journalist Thabet Salem Al-Jazeera. „Es ist das erste Mal, dass Damaskus dermaßen massiv bombardiert wird.“ Aktivisten teilten mit, dass es zahlreiche Opfer gegeben habe.

Granateneinschlag auf dem Golan

Nicht nur in der syrischen Hauptstadt, sondern auch auf den Golan-Höhen droht die Gewalt zu eskalieren. In der Nähe einer „Position“, eines Stützpunktes, der österreichischen Soldaten, die mit rund 370 Mann im Rahmen einer UNO-Mission auf dem Golan vertreten sind, kam es zu zwei Einschlägen von „vermutlich Granaten“, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, der APA mitteilte. Verletzte gab es bei dem Zwischenfall keine.

Der Anschlag ereignete sich in etwa hundert Meter Entfernung vom Aufenthaltsort der Soldaten. Die 13 Beteiligten hatten sich rechtzeitig in den Bunker, der bei jedem der Überwachungspunkte an der israelisch-syrischen Grenze existiert, begeben. Zudem hätten sie Splitterschutzwesten und Helme getragen - eine Sicherheitsvorkehrung, die man bereits zu Beginn der Proteste gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad im März des Vorjahres getroffen habe. Andere Maßnahmen zur Verstärkung der Sicherheit seien vorerst nicht vorgesehen, so Bauer.