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Ford auf GMs Spuren

Immer mehr Autokonzerne kommen angesichts der anhaltenden Absatzkrise in Europa in die Bredouille. Zuletzt gesellte sich mit einer Gewinnwarnung und Spekulationen über mögliche Werksschließungen auch Ford zu Opel, Fiat, Peugeot & Co. Für Aufsehen sorgt nun ein Expertenurteil, in dem - wohl zum ersten Mal - offen vor weiteren Investitionen gewarnt wird.

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Experten der italienischen Mediobanca hätten die Entwicklung neuer Modelle für einen gesättigten und im Absturz befindlichen Markt, der derzeit in Europa zu finden ist, als „Blödsinn“ bezeichnet, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA im August. Frisches Geld für neue Modelle würde demnach nur noch größere Verluste für die Bilanzen bedeuten, so das Expertenurteil mit Blick auf die jüngst bekanntgegebenen Verluste von Peugeot und Ford und auf den erwarteten Gewinneinbruch bei Fiat.

In italienischen Medien wurde in diesem Zusammenhang auf einen Artikel des US-Magazins „Forbes“ verwiesen, dem zufolge Fiat-Chef Sergio Marchionne noch zu Sommerbeginn als einziger Konzernchef über die Lage in Europa gejammert habe - inzwischen allerdings immer mehr in den Chor einstimmten.

Nach GM nun Ford an der Reihe

Konkret bezieht sich „Forbes“ auf die dramatische Entwicklung der Europageschäfte von Ford, dem nun ein ähnliches wenn nicht schlimmeres Schicksal prognostiziert wird als dem US-Konkurrenten General Motors (GM) - Stichwort Opel. Angesichts stark rückläufiger Verkäufe in Europa ist auch bei Ford mittlerweile von einer ernsten Situation die Rede.

Ford geht mittlerweile für das Gesamtjahr in seinem wichtigen Europageschäft von einem operativen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar aus. Zuvor hatte der Konzern das Minus auf maximal 600 Millionen Dollar geschätzt. Natürlich müsse man die Kosten angehen und „schlanker werden“, so Finanzchef Bob Shanks, womit wohl auch bei Ford mit tiefgreifenden Einschnitten zu rechnen sein dürfte. Wie andere Hersteller hat auch Ford derzeit mit Überkapazitäten und nicht ausgelasteten Werken zu kämpfen. Im Werk im deutschen Köln wurde bereits die Kurzarbeit ausgeweitet.

Spekulationen über Werksschließungen

Zuletzt waren auch Spekulationen über Werksschließungen aufgekommen. Als gefährdet gelten der Standort Southampton in England und Genk in Belgien. In Deutschland produziert Ford in Köln und Saarlouis. Der direkten Frage nach Werksschließungen wich das Management allerdings aus. Es sei zu früh, um über die genauen Pläne zu reden, sagte Finanzchef Shanks.

Das Ford-Management steht unter hohem Druck. Denn die Probleme in Europa schlagen wie beim Opel-Mutterkonzern GM mit voller Wucht auf den Gesamtkonzern durch. Ford werde die Probleme angehen, versprach Konzernchef Alan Mulally seinen Aktionären. Nur dank eines vergleichsweise guten US- und Asiengeschäfts hielt sich der Umsatzschwund mit sechs Prozent auf 33,3 Milliarden Dollar in Grenzen. In Europa brachen die Ford-Verkäufe im zweiten Quartal um 15 Prozent auf rund 359.000 Stück im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein.

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