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Staatsanwalt hatte drei Jahre gefordert

Ein Moskauer Gericht hat die wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ angeklagten drei Musikerinnen der Punkband Pussy Riot zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagten hätten „keine Reue gezeigt“, die „öffentliche Ordnung verletzt“ und die „Gefühle der Gläubigen beleidigt“, sagte Richterin Marina Syrowa am Freitag.

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Die Richterin folgte bei der fast dreistündigen Verlesung des Urteils in weiten Teilen der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Die Aktion sei „sorgfältig geplant“ gewesen, hieß es. Das Gericht habe seine Entscheidung auf der Grundlage der „Aussagen der Angeklagten selbst und anderer Beweise“ gefällt, sagte Syrowa.

Die Richterin sagte, sie habe mildernde Umstände bei der Festlegung des Strafmaßes gelten lassen. Auf die Tat könne dennoch nur mit Freiheitsentzug reagiert werden, so Syrowa. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Künstlerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) je drei Jahre Gefängnis beantragt, die Verteidigung Freisprüche.

Personenschutz für Richterin

Die in einem Glaskäfig stehenden Angeklagten quittierten den Schuldspruch zunächst mit Grinsen. Für die Urteilsverkündung waren scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Richterin Syrowa stand unter Personenschutz, weil sie nach Angaben der Behörden im Vorfeld bedroht wurde.

Sicherheitskräfte bewachen drei Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot

AP/Sergey Ponomarev

Die Pussy-Riot-Mitglieder vor der Urteilsverkündung

Insgesamt hatten die Ermittler 3.000 Seiten Aktenmaterial zusammengetragen. Die Anwälte von Pussy Riot wollen das Urteil in der nächsten Instanz anfechten. Die Frauen hatten im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale mit einem Punkgebet gegen den damaligen Regierungschef und jetzigen Präsidenten Wladimir Putin protestiert.

Kein Gnadengesuch an Putin

Unmittelbar vor der Urteilsverkündung hatten die Angeklagten einem Gnadengesuch an Putin noch eine klare Absage erteilt. „Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten“, schrieb die Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ (Onlineausgabe). Ein unabhängiges Urteil hatte sie als „eine Illusion“ bezeichnet - und eine Flucht ins Exil wie ihre Mitangeklagten abgelehnt.

Proteste und Festnahmen vor dem Gerichtsgebäude

Bereits am Vormittag ließ die Polizei das Gerichtsgebäude mit einem Großaufgebot umstellen. Die Beamten sperrten die angrenzenden Straßenzüge mit Metallbarrieren weiträumig ab, um eine Kundgebung von Sympathisanten vor dem Gericht zu verhindern, wie eine AFP-Reporterin berichtete.

Vor dem Gerichtsgebäude riefen mehrere hundert Demonstranten „Freiheit“ und „Russland ohne Putin“. Die Polizei nahm nach Angaben der Agentur Interfax dutzende Personen fest, darunter die Oppositionsführer Sergej Udalzow und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow. Der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow, nannte den Schuldspruch einen „gefährlichen Präzedenzfall“.

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