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Mehr als 13.000 jährlich im Einsatz

Die Abschaffung der Wehrpflicht hätte für das Bundesheer möglicherweise geringere Auswirkungen als für das österreichische Sozialwesen. Denn ohne Wehrpflicht gäbe es auch keinen Zivildienst, und dann brauchte es Ersatz für jene rund 13.000 Jugendlichen, die jährlich beispielsweise in Rettungsorganisationen, Behindertenhilfe und Pflege zum Einsatz kommen.

Caritas-Chef Franz Küberl forderte eine Nachfolgeregelung für den Zivildienst, sollte die Wehrpflicht fallen. Eine ersatzlose Streichung würde nicht nur eine „massive Kerbe ins soziale System“ schlagen, sondern sie wäre auch „eine Missachtung der sozialen Kapazitäten junger Menschen“, betonte der Caritas-Präsident in einer Aussendung.

Caritas: „Übungswerkstatt für Zivilcourage“

Für Küberl stellt der Zivildienst „eine Übungswerkstatt für die Zivilcourage“ dar. Diese brauche jede Gesellschaft dringend. Wenn es nun zu einem guten Übergang kommen solle, dann brauche das viel Planung, Strategie und Strukturarbeit. Sollte es zu einer Abschaffung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes kommen, müssten rasch tragfähige Ersatzlösungen und entsprechende Anreize geschaffen werden, da es um die Begleitung und Betreuung von Tausenden Menschen in Not in Österreich gehe.

Hundstorfer-Vorschlag: Freiwilliges Soziales Jahr

Ein Alternativmodell hatte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Anfang des Vorjahres in Form eines rundum erneuerten „Freiwilligen Sozialen Jahres“ präsentiert - ähnlich dem Bundesfreiwilligendienst, der in Deutschland bei der Abschaffung der Wehrpflicht etabliert wurde. Zur Auszahlung kommen soll nach Vorstellung von Hundstorfer ein Mindestkollektivvertragslohn von 1.300 Euro 14-mal pro Jahr bei vollem Sozialversicherungsschutz.

Zusätzlich soll es die Möglichkeit geben, sich die im Rahmen des freiwilligen Dienstes erworbenen Qualifikationen berufsbildend anrechnen zu lassen. Bis zu welchem Alter man das freiwillige Jahr antreten kann, ließ der Minister offen. Für Frauen wäre die Teilnahme möglich.

Konzentration auf Soziales und Gesundheit

Gegenüber dem Zivildienst gäbe es aber eine Einschränkung, was die Einsatzgebiete betrifft. Hundstorfer trat dafür ein, das freiwillige Jahr auf die Kernbereiche Soziales und Gesundheit zu beschränken. Diese Einsatzgebiete machen derzeit 90 Prozent der Zivildienstverhältnisse aus. Aufs Jahr hochgerechnet wären das 8.500 Zivildiener.

Diese Zahl möchte der Sozialminister auf 6.400 senken, was durch einen optimierten Einsatz möglich werden soll. Die Kosten sah Hundstorfer bei der Präsentation seines (noch immer gültigen) Konzepts um nur rund fünf Millionen Euro über jenen für den Zivildienst (142 zu 137 Millionen), was von Experten angezweifelt wurde. Würde sich das Hundstorfer-Modell durchsetzen, würden jedenfalls etliche nicht im Sozialbereich tätige Organisationen um ihre Zivildiener umfallen. Denn Zivildiener sind etwa auch im Gedenkdienst, in Kindergärten und beispielsweise als Schülerlotsen im Einsatz.

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