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Viele Athleten wollten die Fortsetzung

Es ist der bekannteste und wohl auch umstrittenste Satz der Sportgeschichte: „The games must go on.“ Avery Brundage, der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sagte diesen Satz bei der Trauerfeier für die am Tag zuvor getöteten elf Mitglieder der israelischen Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972. Ob es richtig war, die Spiele fortzusetzen, ist bis heute umstritten.

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Die Entscheidung, die Olympischen Spiele trotz des Attentats nach einem Tag Unterbrechung wieder aufzunehmen, begründete Brundage damals so: „Ich bin überzeugt, dass die Weltöffentlichkeit mit mir einer Meinung ist, dass wir es nicht zulassen können, dass eine Handvoll Terroristen diesen Kern internationaler Zusammenarbeit und guten Willens zerstört, den die Olympischen Spiele darstellen.“

Bei der Trauerfeier gab es dafür spontanen Applaus. Auch viele Sportler waren froh, dass sie nicht umsonst trainiert hatten. Die deutsche Leichtathletin und Doppelolympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl sagte in diesem Jahr in einem Interview gar, es seien damals alle Athleten für eine Fortsetzung gewesen.

Willi Daume vom Olympischen Komitee verkündet, dass die Olympischen Spiele weitergehen

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Der damalige IOC-Vizepräsident Willi Daume begründet vor der Presse die Fortsetzung der Spiele

„Weicht dieser Erpressung nicht“

Der damalige Bürgermeister des olympischen Dorfes, Walter Tröger, berichtete in einer Fernsehdokumentation, der israelische Botschafter habe nach dem Attentat den Deutschen ebenfalls gesagt: „Weicht dieser Erpressung nicht, die Spiele müssen weitergehen - es würde uns nicht helfen, es würde den Toten nicht helfen.“

Allerdings gab es auch andere Stimmen. Einige Sportler aus Israel kritisierten die Entscheidung, die Mannschaft reiste direkt nach der Trauerfeier ab. In vielen Zeitungen rund um die Welt wurde die Fortsetzung der Olympischen Spiele ebenfalls kritisiert. Angeblich soll das Deutsche Olympische Komitee für einen Abbruch gewesen sein.

Ein Regenbogen wird bei der Schlusszeremonie in München gespannt

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München 1972: Es gab die unbeschwerten Spiele vor dem Attentat und die belasteten Spiele „danach“

„Eisiger Umgang mit dem Attentat“

Und Dieter Graumann, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, warf dem IOC noch heuer einen eisigen Umgang mit dem Attentat vor. „Während damals die jüdischen Sportler ihre letzte Heimreise antraten und ein ganzes Land weinte - ich selbst auch -, wurden lakonisch Sportler zu Siegern gekürt, weil ihr israelischer Kontrahent nicht antrat, genauer: wegen Ermordung nicht präsent sein konnte.“

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