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Ausschreitungen in Kairo und Bengasi

Bei der Erstürmung des US-Konsulats im ostlibyschen Bengasi ist mindestens ein Beamter des US-Außenministeriums ums Leben gekommen. Ausgelöst wurden die antiamerikanischen Ausschreitungen in Libyen und zuvor in Ägypten durch einen in den USA produzierten Amateurfilm, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

Laut Angaben aus libyschen Sicherheitskreisen wurden in Bengasi am Dienstag allerdings auch der US-Botschafter in Libyen, Chris Stevens, und drei weitere Botschaftsmitarbeiter bei einem „Raketenangriff“ getötet. Unklar blieb dabei, ob das im Zuge der Attacke auf das Konsulat geschehen sein soll oder unabhängig davon. Auch die libysche Regierung bestätigte, dass damit vier US-Diplomaten ums Leben gekommen seien. Von US-Seite gab es zu den Berichten vorerst allerdings keinen Kommentar.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte sich am späten Dienstagabend bestürzt über den - bestätigten - Tod eines nicht näher genannten US-Diplomaten gezeigt und verurteilte nach Angaben ihres Hauses die Attacke von Bewaffneten auf die diplomatische Vertretung aufs Schärfste. Clinton habe noch am Abend mit dem libyschen Präsidenten Mohammed al-Magarif gesprochen, um einen besseren Schutz für die US-Bürger sicherzustellen, teilte das Außenministerium mit. Magarif habe den Angriff verurteilt und die volle Unterstützung seiner Regierung zugesagt.

Falsche Medienberichte als Auslöser

Laut arabischen Medienberichten soll es auch Verletzte gegeben haben. Die Extremisten hätten das Konsulatsgebäude in Brand gesteckt, berichtete der arabische TV-Sender al-Arabija. Es seien Panzerfäuste eingesetzt worden. Zuvor war es auch vor der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt zu Ausschreitungen gekommen, nachdem ägyptische Medien unmittelbar zuvor über den schon vor Monaten produzierten Amateurfilm berichtet hatten.

Brennendes US-Konsulat in Bengasi

Reuters/Esam Al-Fetori

Das US-Konsulat in Bengasi in der Nacht auf Mittwoch

Irrigerweise hieß es in den Medienberichten, dass in den USA ansässige ägyptisch-koptische Christen den Film zu verantworten hätten. Kurz darauf hatten sich bereits Hunderte aufgebrachte Islamisten vor der US-Botschaft in Kairo eingefunden. Einigen gelang es, die Mauern der Vertretung zu erklettern und die US-Flagge herunterzureißen. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten.

US-Diplomatie hatte Film schon zuvor verurteilt

In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, „um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen“. Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung „die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen“, verurteilt. Auch das US-Außenministerium hatte den bisher nicht beachteten Film zuvor schon als hetzerisches Machwerk abgelehnt.

Die Sicherheitsabsperrungen auf den Straßen um die US-Botschaft im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt waren erst kürzlich entfernt worden, nachdem örtliche Händler das vor Gericht durchgesetzt hatten. Nuland rief dazu auf, aus dem Vorfall keine Rückschlüsse auf das amerikanisch-ägyptische Verhältnis zu ziehen, das derzeit ohnehin sehr belastet ist. Sie wies darauf hin, dass Fortschritte bei Kontakten zur zivilen Gesellschaft erzielt worden seien.

Erst der Anfang?

Experten halten die Situation nun für weit explosiver als etwa die Ausschreitungen nach der Veröffentlichung dänischer Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 und der Verbrennung von Koranexemplaren durch den antiislamischen US-Pastor Terry Jones. Nach Einschätzung des auf Beobachtung terroristischer Aktivitäten spezialisierten IntelCenter in den USA drohen nun weitere Ausschreitungen weltweit. Die höchste Gefahr drohe in Ländern mit militanten islamischen Rebellengruppen.

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