Rote-Khmer-Prozess: Ehemalige „First Lady“ geht frei

Das von der UNO unterstützte Tribunal im Rote-Khmer-Prozess in Kambodscha hat die angeklagte Ex-Sozialministerin Ieng Thirith aus gesundheitlichen Gründen auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht folgte damit heute einem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freilassung aus gesundheitlichen Gründen beantragt hatte.

Die Angeklagte sei in „absehbarer Zukunft“ nicht verhandlungsfähig, erklärte das Tribunal. Eine Aussage über „Schuld oder Unschuld“ der Angeklagten sei damit jedoch nicht getroffen. Auch die Anklagepunkte gegen Ieng Thirith würden nicht fallengelassen.

Die 80-jährige Schwägerin des einstigen Schreckensherrschers Pol Pot leidet unter Demenz. Staatsanwalt Tarik Abdulhak hatte Ende August den Antrag zur Freilassung damit begründet, dass sich der Gesundheitszustand der Angeklagten zunehmend verschlechtere und nun das Stadium erreicht habe, wo die „Maßnahmen zur Verbesserung ihrer kognitiven Fähigkeiten erschöpft“ seien.

Anklagen wegen Völkermordes

Weitere Angeklagte in dem Verfahren sind der einstige Chefideologe Nuon Chea und der frühere Staatschef Khieu Samphan. Sie müssen sich wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten. Sie weisen in dem Prozess, der vor mehr als einem Jahr mit der Klärung von Verfahrensfragen begann, alle Vorwürfe zurück.