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Washington sieht geplanten Anschlag

„Der Gerechtigkeit wird Genüge getan werden.“ Mit diesen Worten kündigte US-Präsident Barack Obama Vergeltung für den Tod des US-Botschafters Chris Stevens und drei weiterer Amerikaner an, die bei einem Angriff militanter Islamisten auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi ums Leben gekommen sind. Noch am Mittwoch brachte das Pentagon Marineinfanteristen und Kriegsschiffe auf den Weg.

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Das US-Verteidigungsministerium lies zwei Kriegsschiffe vor der Küste des Landes auffahren. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer „USS Laboon“ habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die „USS McFaul“ sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandanten jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne.

Marineinfanteristen zum Schutz für Diplomaten

Zudem schickte das Pentagon Marineinfanteristen als „Präventivmaßnahme“ auf den Weg nach Bengasi. Sie sollen nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat den Schutz der Diplomaten gewährleisten, wie der Sender CNN unter Berufung auf Ministeriumsbeamte berichtete. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Mittwoch, dass der Einheit etwa 50 Soldaten angehörten. Nach Informationen des Senders CNN will Obama zudem Drohnen nach Libyen schicken, um mögliche Islamistencamps aufzuspüren.

Al-Kaida hinter Anschlag?

Denn mittlerweile mehren sich die Gerüchte, der Angriff könnte einen terroristischen Hintergrund haben. Wie am Mittwoch aus US-Regierungskreisen verlautete, gehen die Geheimdienste mittlerweile von einer geplanten Attacke aus und nicht, wie zunächst berichtet, von einem spontanen Sturm militanter Islamisten, die aus Protest gegen einen in den USA produzierten Mohammed-Film das Konsulat angegriffen hatten.

Die Attacke trage „klar“ die Handschrift des Terrornetzwerks Al-Kaida, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Mike Rogers, dem Sender CNN. Dass es sich um einen geplanten Angriff handeln könnte, sei „derzeit die Arbeitshypothese“, sagte zudem ein ranghoher Regierungsvertreter AFP. Demnach könnten sich extremistische Angreifer die wütende Menge in Bengasi zunutze gemacht haben.

Möglicherweise monatelang geplant

Das Konsulat war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Der US-Botschafter Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum.

Laut Rogers deutet viel auf einen Terroranschlag hin. „Seit Monaten haben wir beobachtet, wie Al-Kaida nach westlichen Zielen Ausschau gehalten hat“, sagte der US-Abgeordnete. „Das fand überall in Nordafrika statt. Wir haben bestimmte Aktivitäten beobachtet, die einen glauben lassen können, dass es eine mit Al-Kaida verbündete Gruppe war.“

Wahlkampfdebatte in den USA

Der Vorfall löste mitten im US-Wahlkampf auch eine innenpolitische Debatte aus. Obama kritisierte seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney dafür, dem Weißen Haus vorschnell Vorwürfe gemacht zu haben. Romney hatte seinem Kontrahenten zuvor mangelnde Führungskraft in der Außenpolitik vorgeworfen. „Romney scheint die Tendenz zu haben, erst zu schießen und später zu zielen“, sagte Obama in einem Interview mit dem TV-Sender CBS, wie in Vorabauszügen zu sehen war.

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