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Erste Anträge aus dem Ausland

Der indische Einzelhandel soll nach den Plänen der Regierung mehr für ausländische Unternehmen geöffnet werden. Laut Handelsminister Anand Sharma sollen sich internationale Handelskonzerne künftig unter bestimmten Bedingungen mit bis zu 51 Prozent an indischen Einzelhandelsunternehmen beteiligen dürfen.

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Voraussetzung für ein solches Engagement seien Investitionen von mindestens 100 Millionen Dollar (77,5 Mio. Euro), die Eröffnung von Geschäften nur in Städten mit mehr als einer Million Einwohner und der Bezug von mindestens 30 Prozent in Indien hergestellter Produkte. Zudem dürfen die Bundesstaaten selbst entscheiden, ob sie ausländische Firmen hereinlassen oder nicht, so Sharma.

„Das wird ausländische Investitionen anziehen“

Die Regierung will mit der Lockerung erreichen, dass mehr Nahrungsmittel auch tatsächlich zum Verbraucher gelangen - derzeit verrotten 35 bis 40 Prozent der Ernten wegen mangelnder Lager- und Transportmöglichkeiten. Die ausländischen Konzerne sollen zudem zehn Millionen neue Jobs schaffen. Sharma machte aber auch keinen Hehl daraus, dass mit der Ausnahme ausländische Investoren ins Land gelockt werden sollen.

Ausländische Einzelhändler, die bisher nur über Lizenzen bzw. Joint Venture auf dem indischen Markt präsent waren, reagierten auf die Reform mit der Einreichung erster Anträge. Nach Angaben des indischen Handelsministeriums haben bereits sechs Firma, darunter etwa die Modehäuser Tommy Hilfiger, Brooks Brother und der Schmuckkonzern Damiani International, beantragt, 51 Prozent und damit die Mehrheit an ihren Geschäftsaktivitäten in Indien zu übernehmen.

Ob die Anträge auch genehmigt werden, bleibt unklar. In Indien gibt es starken Widerstand gegen eine weitere Öffnung des Einzelhandels. Wegen heftiger Proteste von Besitzern kleiner Geschäfte, der Opposition und Teilen der Regierungsparteien hatte die Regierung die bereits im vergangenen November geplante Reform zunächst absagen müssen. Es wird befürchtet, dass vor allem kleine Familienbetriebe von multinationalen Ketten überrollt werden. Auf der anderen Seite kämpft das Land aber mit Warenengpässen und benötigt dringend ausländisches Kapital.

Auch Ikea wartet auf Zulassung

Im Jänner hatte die Regierung zwar einzelnen Markenanbietern erlaubt, Geschäfte in eigenem Besitz in Indien zu eröffnen. Sie machte aber zur Auflage, dass mindestens 30 Prozent der Waren von lokalen Firmen stammen müssen. Das schreckte bisher viele ausländische Firmen ab. Nur Ikea und die britische Schuhkette Pavers reichten damals ihre Bewerbung ein - eine Zulassung steht aber noch aus. Erst jüngst verweigerte die zuständige Behörde der Zara-Mutter Inditex den Verkauf einer höherwertigen Marke über eine Zusammenarbeit mit der indischen Tata-Gruppe.

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