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Viel Zubehör wird obsolet

Mit dem neuen „Lightning“-Anschluss für Apples iPhone 5 und die neuen iPods werden Millionen von Dockingstations, Weckern und anderem Zubehör trotz Adapters unbrauchbar. Die Umstellung wird für viele Kunden teuer. Auch sonst gibt es beim neuen Apple-Smartphone einige Tücken.

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Seit 2003 wurde der bisherige 30-polige Dockanschluss beim iPod und später iPhone verbaut, doch mit der nächsten Gerätegeneration wird er vom deutlich schmäleren „Lightning Connector“ abgelöst.

Apple argumentierte diese Entscheidung bei der iPhone-Präsentation Mitte September mit dem geringeren Platzverbrauch, außerdem soll der digitale Stecker robuster sein. Gegenüber der IT-Website AllThingsD sagte Apple-Marketingchef Phil Schiller, dass die Geräte erst durch den kleineren Anschluss noch dünner gebaut werden konnten. Schiller versprach, dass der Anschluss viele Jahre bestehen bleiben soll.

Apple iPhone 4 & 5 Ladekabel

Apple

Der neue Stecker mit Adapterkabel

Adapter kein Allheilmittel

Das ist für alle bisherigen iPhone- und iPod-Nutzer, die etwa im Auto einen Anschluss eingebaut oder sich teures Zubehör mit einem entsprechenden Steckplatz angeschafft haben, ein schwacher Trost. Zwar wird es einen, 29 Euro teuren, Adapterstecker geben, die Verbindung zum iPhone wird durch das Zusatzstück allerdings fragiler.

Zudem ist der Adapter nicht bei allen Dockingstations verwendbar, weil die Geräte mit dem Adapter über eine etwaige stützende Rückwand gehoben werden und dann quasi in der Luft hängen oder die Ausnehmungen nicht zum Adapter passen. Apple bietet auch ein 39 Euro teures weißes Adapterkabel an, dadurch verlieren allerdings etwa bei Stereoanlagen direkt integrierte Dockingstations ihren eigentlichen Sinn und Zweck. Bei durchdesignten Systemen ist ein zusätzliches Kabel auch optisch störend.

Vorerst kommt der breite Stecker noch beim iPod Classic und beim iPad zum Einsatz, es ist jedoch nur eine Frage der Zeit beziehungsweise des jeweiligen Updatezyklus, bis Apple auch diese Geräte umstellt und damit alles Zubehör obsolet wird.

Dockingstation für iPhone

AP/PRNewsFoto/Element Case Inc.

Dockingstation mit dem bisherigen Anschluss

Keine LTE-Nutzung in Österreich

Weniger erfreulich, vor allem für heimische Nutzer, ist auch die mit den heimischen Netzen nicht kompatible LTE-Funktion des iPhone 5. Das neue iPhone unterstützt die Frequenzen 2100/1800/850 MHz, aber nicht die derzeit in Österreich verwendete 2,6-GHz-Frequenz. Damit könne das iPhone 5 nicht die schnellen LTE-Netze der heimischen Mobilfunker nutzen, wie T-Mobile Austria und die Telekom Austria gegenüber ORF.at bestätigten - das gilt bereits für das iPad.

Die Auktion der für den flächenmäßigen LTE-Ausbau benötigten 800er-Frequenzen wurde nach einem ersten Termin im Herbst auf unbestimmte Zeit verschoben, zuerst soll die Entscheidung über den Zusammenschluss von Orange und 3 abgewartet werden. Vor Herbst 2013 ist eine Ausweitung der LTE-Netze auch im günstigsten Fall wenig realistisch, die aktuellen Frequenzen sind nur für die Versorgung der Städte praktikabel. Die von den heimischen Mobilfunkern, darunter T-Mobile, bereits verwendete 1.800er-Frequenz darf ohne entsprechende offizielle Neuzuordnung nicht für LTE verwendet werden.

Einschränkungen durch neues Display

Das größere Display des iPhone 5 birgt ebenfalls Fallen. Zwar hat Apple seine eigenen Anwendungen an das neue 16:9-Format naturgemäß bereits angepasst, doch das dürfte nicht für alle der über 700.000 Apps im App-Store gelten. Apps im alten Format werden zentriert mit einem schwarzen Rand in Originalgröße angezeigt, ähnlich wie bei der Einführung des ersten iPads. Bis alle Anwendungen umgestellt sind, dürfte es noch eine Weile dauern.

iPhone 5

Apple

Das iPhone 5

Apple nimmt selten Rücksicht

Vor allem mit der Umstellung des Steckers teste Apple die Geduld seiner Fans, so ein Analyst gegenüber der „New York Times“ - das ist bei Apple allerdings nichts Neues. Der Hersteller ist bekannt dafür, für ihn als obsolet geltende Technologien ohne große Vorwarnung abzuschaffen oder durch neue zu ersetzen.

So war Apple der erste Hersteller, der 1998 das Diskettenlaufwerk bei seinen Rechnern durch ein CD-Laufwerk ersetzte. Im Gegensatz zu anderen Handyherstellern setzt Apple auch nicht auf Micro-USB als Lade- und Datenkabel, sondern nutzt wieder eine proprietäre Lösung - wohl auch um Lizenzen von den Zubehörherstellern lukrieren zu können.

Gute Geschäfte für Hersteller von Zubehör

Mittlerweile hat Apple vor allem mit iPhone und iPod aber eine derart hohe Marktdurchdringung und Bekanntheit, dass Entscheidungen wie aus dem Jahre 1998 bei den Fans nicht mehr einfach untergehen oder nur leichtes Murren auslösen. Immerhin hat Apple bis Juni 2012 laut eigenen Angaben 400 Millionen iOS-Geräte verkauft - alle mit dem breiten Stecker.

Zumindest die Hersteller des besonders lukrativen Apple-Zubehörmarktes wird die Entscheidung für den neuen Stecker und auch die neue Größe freuen, schließlich passen die bisherigen iPhone-Hüllen ebenfalls nicht mehr, denn das iPhone 5 ist nun acht Millimeter größer. Laut US-Marktforschern ist der Markt für iPhone-Zubehör weltweit sieben Milliarden Dollar schwer - der Großteil davon wird für Schutzhüllen ausgeben, berichtet das „Wall Street Journal“.

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