Publizist Friedman wirft Walser und Grass Antisemitismus vor

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Der Rechtsanwalt, Publizist und ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, hat den deutschen Schriftstellern Martin Walser und Günter Grass in einem Zeitungsinterview Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen.

„Früher hat der Spießbürger seinen Rassismus und Antisemitismus in verrauchten Hinterzimmern ausgetobt. Mittlerweile macht er das beim Champagner-Empfang oder verfasst - wie Martin Walser und Günter Grass - Pamphlete in Rede- oder Gedichtform“, sagte der für seine provokanten Thesen bekannte Friedman dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Walser wies die Vorwürfe scharf zurück. „Ich kann mir überhaupt nicht denken, worauf sich Herr Friedman bezieht. Ich habe niemals ein Pamphlet oder Gedicht zu diesem Thema verfasst“, sagte Walser. „Sollte er das nicht widerrufen, werde ich ihn wegen Beleidigung verklagen.“

Israelkritisches Gedicht als Auslöser

Literaturnobelpreisträger Grass war in jüngster Zeit vor allem wegen eines israelkritischen Gedichts zum Iran-Konflikt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das Gedicht „Was gesagt werden muss“ hatte auch bei jüdischen Organisationen Entrüstung ausgelöst. In Walsers Werk meinen Kritiker seit Jahren antisemitische Tendenzen zu erkennen.

„Millionenfacher, kleiner Alltagsrassismus“

Friedman prangerte eine „Enthemmung in der Mitte der Gesellschaft“ an. Er verwies unter anderem auf den Rechtsterror des Nationalsozialistischen Untergrunds. Rassisten und Antisemiten agierten heute „unverschämter, sie sind lauter und sichtbarer"“, so Friedman weiter.

Er lobte das Engagement von Künstlern wie Wolfgang Niedecken (BAP) gegen Rechtsextremismus und ausländerfeindliche Übergriffe. Klar sei aber auch: „Alle Konzerte dieser Welt ersetzen nicht die persönliche und direkte Abwehr des millionenfachen, kleinen Alltagsrassismus.“