Aufregung über Interviewzensur von Stronach

Wer mit Neopolitiker Frank Stronach ein Interview führen will, muss sich offensichtlich schriftlich verpflichten, dieses vor Veröffentlichung von vorne bis hinten autorisieren zu lassen - das Magazin „Datum“ veröffentlichte nun ein entsprechendes Formular.

Eine solche Vereinbarung zu brechen ist nicht empfehlenswert, ist sie doch laut Medienanwältin Maria Windhager rechtlich bindend. Stronach selbst begründet die Maßnahme gegenüber der APA damit, dass er „einige sehr schlechte Erfahrungen mit manchen Medien gemacht“ habe. „Ein Federstrich kann vernichtender sein als ein geladener Revolver“, warnte er die schreibende Zunft.

Wie „Datum“ berichtete, sollen Journalisten mit der vorgefertigten Erklärung namentlich zustimmen, vor einer Veröffentlichung von Gesprächen und Interviews mit Stronach „den gesamten Interviewtext“ Kathrin Nachbaur, der Leiterin des Stronach „Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit“, „zur Einsicht und schriftlichen Freigabe“ zu senden.

„Erhaltung der Wahrheit und Fairness“

Sollte die Autorisierung des Interviews verweigert werden, dürfen weder Umstand des Interviews noch Auszüge daraus veröffentlicht werden. Im Absatz darunter hält Stronach dann demnach fest, dass er „die Freiheit des Journalismus respektiert“ und er ein „absoluter Befürworter des Journalismus als objektives, neutrales Kontrollorgan“ sei. Die Vereinbarung gelte ausschließlich „zur Einhaltung der Werte Wahrheit, Fairness und Transparenz“.

Eine solche Erklärung ist eigentlich eine zivilrechtliche Vereinbarung, erläuterte Medienanwältin Windhager, die hauptsächlich für den „Standard“ tätig ist, gegenüber der APA. Wenn man als Journalist eine Autorisierung mündlich oder schriftlich ausmacht, ist man auch daran gebunden.

Stronach hielt fest, dass die Medien „eine sehr wichtige Rolle in einer Demokratie“ spielten, „da sie die Menschen unabhängig und korrekt informieren und auch öffentlich Kritik an Missständen üben“, wie es in einer der APA übermittelten Stellungnahme hieß. Doch so manche Zeitungseigentümer würden „auch gewisse Interessen vertreten“, und „leider wird unabhängige und objektive Berichterstattung auf der ganzen Welt zu einer demokratischen Seltenheit.“

Journalisten Club: Besser keine Interviews mit Stronach führen

Scharfe Kritik an der von Frank Stronach bei Interviews verlangten Autorisierungs-Vereinbarung kommt vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). „Dies verstößt eindeutig gegen die Grundregeln der Pressefreiheit, die blutig erkämpft wurden“, sagte ÖJC-Präsident Fred Turnheim in einer Aussendung. Als Antwort auf den „Maulkorb des Herrn Stronach“ plädiert Turnheim für einen Interview-Boykott gegen den Milliardär.

„Der ÖJC ersucht alle Kolleginnen und Kollegen solange keine Interviews mit Herrn Stronach und seinen Parteigranden zu führen, bis dieser sein demokratiefeindliches Formular zurückzieht, das im Alltagsgeschäft in Österreich völlig unüblich ist“, heißt es in der Aussendung. Immerhin könne eine derartige Erklärung eine Unterlassungsklage zur Folge haben. „Da ist es doch gleich besser, kein Interview mit dem Herrn Stronach zu führen“, so Turnheim.

Reaktion des Team Stronach

Die Formulierung „weder den Umstand noch das Gespräch wiederzugeben“ sei unglücklich gewählt „und wird von uns geändert“, heißt es in einer Presseaussendung des Team Stronach von gestern Abend, die auf die Kritik reagiert. Sie wird offenbar durch die Formulierung „Falls die Autorisierung des Interviews nicht erteilt wird, ist eine Veröffentlichung untersagt“, geändert, wie in der Aussendung zu lesen ist.

ÖJC: Augenauswischerei

Das Team Stronach bestehe weiter auf eine schriftliche Autorisierungserklärung, heißt es in einer darauffolgenden Aussendung des ÖJC. Diese sei in Österreich unüblich und werde daher in jeder Form vom ÖJC abgelehnt. „Die heute Abend vorgelegte Adaptierung des bisherigen Erklärung ist nur Augenauswischerei“, kritisierte Turnheim den Vorstoß des Medienmanagers des Teams Stronach. Der ÖJC bleibe daher bei seinem Standpunkt und empfehle keine Interviews unter diesen Bedingungen mit Herrn Stronach durchzuführen.