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„Freiwilligkeit gut, Pflicht besser“

Man ist bestrebt, ein nachhaltiges Unternehmen zu sein, setzt sich für umwelt- und sozialverträgliches Handeln ein und will zum Frieden beitragen: Immer mehr global tätige Großkonzerne zeigen sich bemüht, sich nachhaltig zu präsentieren. Die demonstrierte Transparenz der freiwillig publizierten Berichte erntet in einer Studie allerdings nicht nur Lob: Zweifel wurden vor allem an der Aussagekraft laut.

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Grundsätzlich müssen laut der von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichten Studie „Soziale Indikatoren in Nachhaltigkeitsberichten“ die freiwilligen Bemühungen der Unternehmen, über die nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte zu informieren, durchaus „weiter ermutigt bzw. unterstützt werden“. Der Grund erscheint naheliegend: Nur ein Bruchteil der Konzerne betrachtet es derzeit als notwendig, überhaupt auf die eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen zu verweisen.

Als Vorreiter gelten hier adidas, Puma, Otto, Tchibo und Kik, die bereits seit Jahren mit umfangreichen Publikationen einen Blick in ihre globalen Produktionsstätten geben. Doch die demonstrative Transparenz der genannten Textilkonzerne hält einem genaueren Blick nur bedingt stand, so der Grundtenor in der vom Wirtschafts- und Sozialpolitikexperten Michael Fischer erstellten Studie. Im Zentrum des Interesses stehe vielmehr „positive Selbstdarstellung und Imageaufbesserung“. Auch dienen die Berichte vor allem dazu, „Anlegern deutlich zu machen, dass das Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt“.

„Kaum vergleichbar“ und wohl nicht vollständig

Obwohl sich allesamt an den international weitgehend anerkannten Standards der Global Reporting Initiative (GRI) orientieren, wird etwa bemängelt, dass es kaum Vergleichswerte gebe. Zwar wird über die gleichen Indikatoren berichtet, das geschehe allerdings in „unterschiedlicher Tiefe und Detailgenauigkeit“. Ein einheitlicher Gradmesser, an dem man ein Unternehmen bewerten kann, sei somit nicht vorhanden.

Vorgeworfen wird zudem, dass wohl „nicht immer vollständig berichtet wird“. Da die untersuchten Unternehmen hinsichtlich der Aufarbeitung der Informationen weitgehend frei sind, liege die Vermutung nahe, "dass insbesondere problematische Aspekte zumindest teilweise ausgeblendet werden. In einem Nachhaltigkeitsbericht wurde beispielsweise herausgestrichen, dass bei 20 Lieferanten in Bangladesch spezielle Schulungen in Sachen Mitarbeiterführung, Sicherheitsstandards etc. stattgefunden haben, vorenthalten wurde gleichzeitig aber, bei wie vielen - nämlich über 100 - das noch nicht der Fall ist.

Kritik an externen Prüfern

Auch der meist als positiv herausgestrichene Aspekt, dass die Nachhaltigkeitsaspekte von externer Hand geprüft werden, erweist sich bei genauerer Betrachtung als zwiespältig. Zum einen gebe es „keine rechtmäßig vereinbarten oder standardisierten Qualifikationen der zu prüfenden Firmen oder der Prüfer selbst“, zum anderen werden die Prüfer „ja im Auftrag des Unternehmens selbst“ ins Haus geholt „und sind deshalb nicht unabhängig“.

Der positive Befund für jene zwei Textilfabriken in Pakistan und Bangladesch, wo im September bzw. November 2012 insgesamt rund 400 Menschen ums Leben kamen, verwundert angesichts dieser Tatsache wenig, so das Schweizer Onlinenachrichtenportal infosperber.

„Scheinbare Transparenz“

Dabei sind der Studie zufolge durchaus auch kritische Punkte in den Berichten zu finden. Nicht verschwiegen wird etwa „das Fehlen eines existenzsichernden Lohns“. Gleichzeitig wird hier aber darauf verwiesen, dass dieses Problem nicht selbst verschuldet ist und somit auch nicht allein gelöst werden kann. Dass die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne eingehalten werden, steht immerhin außer Frage, aber: „Keines der Unternehmen ist bereit, selber voranzuschreiten“, um solche Löhne zu sichern.

Vom Studienautor wird angesichts der gefundenen Erkenntnisse der Schluss gefasst, dass „das Prinzip der Freiwilligkeit offensichtlich nicht genügt“ und verbindliche Standards besser seien. Nicht geteilt wird diese Meinung laut infosperber etwa von der Schweizer Branchenvertretung economiesuisse, derzufolge sich die bisherige Vorgangsweise vielmehr bewährt hat: „Die freiwilligen Instrumente sind flexibler und erlauben einen besseren Einbezug der unterschiedlichen Interessen.“

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