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Kaufkraftgewinn nur für Beamte

Rund vier Millionen unselbstständig Erwerbstätige - Arbeiter, Angestellte, Beamte und Vertragsbedienstete - gibt es laut dem aktuellen Einkommensbericht des Rechnungshofs für die Jahre 2010 und 2011 in Österreich. Die Unterschiede bei den Bezügen fallen dabei teilweise sehr deutlich aus.

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Gerade die untersten Einkommensschichten mussten seit 1998 die stärksten Kaufkraftverluste hinnehmen, weil ihre Einkommenszuwächse teils deutlich unter der Inflationsrate lagen. Quer über alle Berufsgruppen sanken die Realeinkommen des untersten Viertels der Einkommensbezieher in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 15 Prozent.

Besonders stark betroffen sind die Arbeiter, die mit 18.157 Euro mittlerem Jahresbrutto auch am schlechtesten verdienen. Die Kaufkraft der Angestellten stagniert unterdessen. Ein inflationsbereinigtes Kaufkraftplus bei unteren, mittleren und oberen Einkommen gab es nur bei den Beamten. Auffällig ist für den Rechnungshof, dass seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 selbst ein Gutteil jener Personen sinkende Realeinkommen hinnehmen musste, die ohne Unterbrechung durchgehend beschäftigt waren.

Frauen verdienen 40 Prozent weniger

Seit 14 Jahren unverändert ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Das mittlere Einkommen der Frauen lag auch 2011 nur bei 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Ein Grund dafür ist der große Frauenanteil bei atypisch Beschäftigten, die vom Rechnungshof heuer erstmals gesondert erfasst werden: 59 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen waren demnach 2011 entweder in Teilzeitarbeit, geringfügig beschäftigt oder bei einer Leiharbeitsfirma angestellt. Bei den Männern waren es nur 22 Prozent.

Aber auch wenn nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte verglichen werden, beträgt das mittlere Fraueneinkommen nur 81 Prozent des mittleren Männereinkommens. Am geringsten sind die Geschlechterunterschiede erneut im öffentlichen Dienst. Vollbeschäftigte Beamtinnen verdienten 2011 gleich viel wie ihre männlichen Kollegen, bei den Vertragsbediensteten waren es 93 Prozent des mittleren Männereinkommens.

In der Privatwirtschaft fällt die geschlechterspezifische finanzielle Schlechterstellung wesentlich höher aus. Vollzeitbeschäftigte weibliche Angestellte verdienten zwei Drittel des Einkommens ihrer männlichen Kollegen, Arbeiterinnen 69 Prozent des mittleren Männereinkommens.

Gastronomie am schlechtesten bezahlt

Die Höhe des Bruttojahreseinkommens hängt stark vom Wirtschaftsbereich ab, in dem eine Person beschäftigt ist. Die Branchen mit den höchsten Einkommen sind die Bereiche Energieversorgung (Mittleres Gehalt 2011: 50.636 Euro), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (40.835 Euro) sowie Information und Kommunikation (39.029 Euro).

Die niedrigsten Einkommen werden in der Hotellerie und Gastronomie (9.464 Euro) und im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (14.456 Euro) bezahlt. Dienstleistungsbranchen, in denen überproportional viele Frauen tätig sind. Eine etwaige Teilzeitbeschäftigung belastet die Einkommenssituation oftmals noch zusätzlich.

Beamte verdienen am meisten

Das mittlere Einkommen im Jahr 2011 betrug laut dem Rechnungshof-Bericht 24.843 Euro brutto. Am weitaus besten werden die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst entlohnt. Die Beamten kommen dort auf 49.274 Euro. Das ergibt sich laut Rechnungshof daraus, dass Beamte im Schnitt besser ausgebildet und zwölf Jahre älter sind als etwa Angestellte.

An zweiter Stelle stehen mit großem Abstand die Vertragsbediensteten mit einem mittleren Jahresbrutto von 29.103 Euro, gefolgt von den 1,86 Millionen Angestellten mit 28.092 Euro und den Arbeitern mit 18.157 Euro Jahresbrutto. Die zwei Millionen in Österreich wohnhaften Pensionisten kommen auf ein mittleres Bruttojahreseinkommen von 17.678 Euro.

Die größte Gruppe der unselbstständig Erwerbstätigen bilden die Angestellten mit 46,4 Prozent, die Arbeiter kommen auf 40 Prozent. 8,3 Prozent arbeiten im öffentlichen Dienst als Vetragsangestellte, 5,3 Prozent sind Beamte. Der Rest von 3,4 Prozent entfällt auf Lehrlinge.

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