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Hommage an Andy Warhol

Kosice im Osten der Slowakei ist nicht unbedingt ein Touristenmagnet. Die zweitgrößte Stadt des Landes war bisher höchstens Sisi-Fans als Wohnort von Graf Andrassy bekannt. Auch als Kulturhauptstadt 2013 schlägt die ehemalige Industriestadt eher leise Töne an. Statt auf Prunkbauten wurde auf sanfte Stadterneuerung gesetzt. Dafür kann sich das Kulturprogramm durchaus sehen lassen.

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Die 240.000-Einwohner-Stadt an der ungarischen Grenze hat ihren Ruf als reizlose Arbeiterstadt nicht ganz verdient, denn trotz kommunistischer Bausünden hat die Stadt ihren historischen Kern bewahrt, der dank kräftiger EU-Finanzspritzen liebevoll renoviert wurde. Neben Graf Andrassy ist Kosice stolz auf einen weiteren berühmten „Sohn“: Andy Warhol.

Die Familie des berühmten US-Künstlers stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Kosice. Andrej Warhola, wie Warhol mit bürgerlichem Namen heißt, kam 1928 in Pittsburgh auf die Welt. Bereits 2011 beteiligte sich Kosice an der Erstellung eines Katalogs mit dem Titel „Andy Warhol und die Tschechoslowakei“. Im Sommer wird in der Kulturhauptstadt eine Ausstellung von Nachahmern des großen Pop-Art-Künstlers gezeigt.

Altes wird zu neuem Leben erweckt

Obwohl die EU Projekte rund um die Kulturhauptstadt mit rund 60 Mio. Euro unterstützt, ist das Abenteuer Kulturhauptstadt für die ärmliche Region ein finanzieller Drahtseilakt. In einer Stadt mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit ist das Verständnis für ein teures Kulturprogramm enden wollend. Die Stadt Kosice kann dennoch zehn Millionen kofinanzieren, dazu kommen 3,3 Millionen vom slowakischen Kulturministerium und Subventionen von großen Firmen wie dem örtlichen Stahlwerk.

Spannend sind daher Bürgerbeteiligungsprojekte wie „Spots“. Die noch aus realsozialistischer Zeit überall in der Stadt verteilten Fernwärmestationen wurden zu lokalen Kulturzentren umfunktioniert. „Wir haben für die Kulturhauptstadt nichts Neues gebaut, sondern nur bereits Bestehendem eine neue Funktion gegeben“, so Tomas Cizmarik, der PR-Verantwortliche des Projekts Kulturhauptstadt gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Schmelztiegel der Kulturen

Kosice ist eine der ältesten Städte der Slowakei und wurde 1230 erstmals urkundlich erwähnt. Wegen seiner wechselvollen Geschichte ist die Stadt heute ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen. So findet sich in der Stadt neben einer starken ungarischen Minderheit auch eine zunehmend selbstbewusste Roma-Gemeinde, die einen wesentlichen Anteil an den 25 „Schlüsselveranstaltungen“ und rund hundert weiteren Events hat.

Bei der Eröffnungsfeier am 20. Jänner wird die britische Band Jamiroquai auftreten. Die 1.300 Karten für die Zeremonie in der Stahl Arena von Kosice waren in fünf Minuten ausverkauft. Musik spielt im Programm der Kulturhauptstadt überhaupt eine große Rolle. Das Spektrum reicht von Pop bis Kammermusik, der jüdischen Vergangenheit der Stadt trägt das „Festival of Jewish Culture“ im Juli Rechnung. Zudem bieten Roma-Musiker jungen Jazz-Gitarristen Unterricht an.

Kulturelles Zentrum ist das seit 2009 bestehende „Europäische Haus der Poesie Kosice“ mit zahlreichen Ausstellungen von slowakischer Gegenwartskunst bis zum Projekt „Rückkehr des Wassers in die Stadt“ über den Fluss Hornad, der bis 1970 durch die Stadt floss. Der Juli gehört den Schriftstellern. 16 slowakische und 15 tschechische Autoren präsentieren in den Städten Brno, Ostrava und Kosice ihre Texte. Der Herbst steht mit gleich mehreren Veranstaltungen ganz im Zeichen des Jazz, bevor am 13. Dezember die Schlussveranstaltung über die Bühne geht.

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