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„Erwartungen sogar übertroffen“

Das slowenische Maribor und portugiesische Guimaraes haben das Zepter der Kulturhauptstadt an Kosice und Marseille übergeben. In Maribor zeigte man sich in einer ersten Bilanz mit dem Kulturjahr 2012 zufrieden. 5.230 Events fanden in der Region statt, die mehr als zwei Millionen Besucher anlockten.

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„Vielleicht haben wir unter diesen unmöglichen Bedingungen das Unmögliche - im positiven Sinne - geschafft“, zog die Kulturhauptstadt-Generaldirektorin Suzana Zilic Fiser Bilanz über das größte Kulturprojekt im Land, das krisenbedingt mit ständigen finanziellen Problemen konfrontiert war. „Mit Blick auf die Hauptziele des Projekts, die Kreativität und Kooperation anzuregen, haben wir alle Erwartungen getroffen bzw. sogar übertroffen“, so Zilic Fiser.

„Seele und Substanz“ ohne neue Großbauten

Auch wenn Maribor anders als bisherige Kulturhauptstädte keine neuen Kulturbauten bekommen hat, waren laut Programmdirektor Mitja die Ambitionen der Veranstalter deswegen kein bisschen kleiner. „Wir glaubten an den Inhalt des Programms, an die Seele und die Substanz“, sagte er. Wie die Generaldirektorin betonte, zeigte Maribor, dass die Europäische Kulturhauptstadt auch ohne große Bauten umsetzbar sei. „Das Umdenken war auch ohne großen Gebäude oder sogar gerade deswegen möglich“, sagte Zilic Fiser.

„Hier ist ein kleines Wunder geschehen“

Die Europäische Kulturhauptstadt brachte laut den Veranstaltern Schwung auch für die Wirtschaft, vor allem für den Tourismus in der Stadt. Die Zahl der Tagesbesucher ist in den ersten elf Monaten um 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, zeigt die Statistik der Marburger Tourismusorganisation. Die absoluten Rekordhalter unter den Besuchern seien die Österreicher gewesen, hieß es. In Oktober etwa machten Gäste aus Österreich 55 Prozent aller Besucher der zweitgrößten slowenischen Stadt aus.

Auch der slowenische Lyriker Ales Steger, der das spartenübergreifende internationale Programm kuratierte, zog eine positive Bilanz. Trotz politischer Verzögerungen und mehreren nicht realisierten Infrastrukturprojekten sei in Maribor „ein kleines Wunder geschehen“. „Wir haben es in weniger als einem Jahr geschafft, ein sehr reizvolles und breites Programm mit über 3.000 Events aufzustellen und damit nicht nur Akteure aus der Stadt, sondern auch aus der Region und international begeistert“, so Steger.

Kein Geld für Nachfolge-Institution

Über die Nachhaltigkeit scheiden sich jedoch die Geister. Die Idee, dass eine neue Institution nach dem Ende des Kulturjahres die Arbeit fortsetzen würde, kollidiert mit dem Sparkurs. Das Kulturministerium plane in der jetzigen Situation keine neuen öffentlichen Institutionen zu gründen, heißt es aus Ljubljana. So bleibt die Hoffnung, dass der slowenische Staat, der für das Kulturprojekt zehn Millionen Euro bereitstellte, mit einer ähnlichen jährlichen Summe die Kultur im Osten des Landes weiterhin mitfinanzieren würde, wohl nur ein frommer Wunsch.

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