Island will mit Unterseekabel „grüne Batterie“ für Briten werden

Island erwägt den Bau eines rund tausend Kilometer langen Unterseekabels nach Großbritannien, um die Briten mit Ökostrom zu versorgen. Bis etwa 2020 könne das längste Unterseekabel der Welt verlegt sein, sagte der Chef des staatlichen Stromversorgers Landsvirkjun, Hördur Arnarson, gestern in einem Interview. „Wir können dem Vereinigten Königreich als grüne Batterie dienen.“

Beide Seiten würden davon profitieren, fügte er hinzu. Island habe unbegrenzte erneuerbare Energie aus der Erdwärme, und Großbritannien könne Angebot und Nachfrage nach erneuerbarer Energie ausgleichen. Die abschließende Entscheidung über die Investition will das Unternehmen 2015 oder 2016 treffen. Über den Preis schwieg sich Arnarson aus.

Bis zu 3.000 Meter unter Meeresspiegel

In einigen Gebieten müsste das Kabel rund 3.000 Meter unter dem Meeresspiegel verlegt werden, der Bau würde ungefähr fünf Jahre dauern. Das Projekt galt zunächst als unrentabel. Doch inzwischen steigt die Nachfrage nach emissionsarmer Energie, und die gesetzlichen Bestimmungen fördern die erneuerbare Energie. Island, das dank seines vulkanischen Ursprungs über sehr viel geothermische Energie verfügt, könnte dabei der große Nutznießer sein.

Das Land war 2009 in eine Rezession gerutscht, nachdem seine Geschäftsbanken in nur einer Woche unter einer enormen Schuldenlast zusammengebrochen waren, die sie bei aggressiven Geschäften im Ausland angehäuft hatten. Nach dem Kollaps seiner Wirtschaft musste Island beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und seinen nordischen Nachbarn um Hilfe ansuchen. 2012 erlebte Islands Wirtschaft einen Wiederaufstieg, der mit Hilfe der Rohstoffressourcen stabilisiert werden soll.