Italien: Homosexuelle Paare dürfen Kinder erziehen

Italiens oberstes Gericht hat gestern in einem historischen Urteil entschieden, dass auch homosexuelle Paare Kinder aufziehen dürfen. Die Vorstellung, dass eine homosexuelle Familie für das ausgeglichene Wachstum eines Kindes schädlich sei, basiere nicht auf „wissenschaftlichen Gewissheiten“, sondern lediglich auf einem Vorurteil, hieß es in der Begründung des Kassationsgerichts in Rom.

Schädlichkeit nicht nachgewiesen

Die Behauptung, dass das Umfeld eines homosexuellen Paares nachteilig für das Kind sei, „setzt etwas voraus, das zu beweisen ist, nämlich die Schädlichkeit eines solchen Familienkontextes“, erklärte das Gericht. Es urteilte nach der Klage eines Mannes, der nach der Trennung von seiner Partnerin das Sorgerecht für das gemeinsame Kind an die Mutter verloren hatte. Diese lebt inzwischen in einer lesbischen Beziehung.

Der Organisation Arcigay, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt, sprach von einem „historischen Urteil“. Die Frage der Rechte homosexueller Paare sorgt im tiefkatholischen Italien immer wieder für erregte Debatten. Nach Ansicht der katholischen Kirche basiert die „wahre“ Familie auf der Ehe von Mann und Frau. Das Urteil des Gerichts fällt mitten in den Wahlkampf für die Parlamentswahl im Februar.