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Beliebteste Sorte wird gepanscht

Um Steuern zu sparen, will der Braukonzern Heineken die meistverkaufte britische Biermarke verwässern. Der Preis soll trotzdem steigen. Während Kunden protestieren, beklagen Lobby-Organisationen die steigenden Steuern auf Bier in Großbritannien.

Die beliebteste Biersorte der Briten wird künftig mit einer zusätzlichen Portion Wasser verdünnt, wie die britische Ausgabe der „Financial Times“ berichtete. Der Alkoholgehalt von John Smith’s Extra Smooth soll ab Februar von 3,8 auf 3,6 Prozent Alkohol reduziert werden. Der Grund dafür liegt laut Heineken, dem Eigentümer der britischen Traditionsbrauerei, in steigenden Herstellungskosten und abnehmendem Bierkonsum.

Weniger Alkohol bringt höheren Preis

Der niederländische Bierbrauer Heineken ist der drittgrößte Brauereikonzern der Welt. Mit dem Schritt will das Unternehmen in Großbritannien jährlich knapp sieben Millionen Pfund (etwa acht Mio. Euro) an Steuern einsparen. Hintergrund ist, dass Biersorten mit niedrigerem Alkoholgehalt im Vereinigten Königreich auch niedriger besteuert sind.

Parallel zur Herabsetzung des Alkoholgehaltes wird der Preis des beliebten Bieres um zweieinhalb Pence (etwa drei Cent) für ein Pint (entspricht etwas mehr als einem halben Liter) erhöht. Mit der „Verwässerung“ wird John Smith’s Extra Smooth laut Heineken dem gängigen Alkoholgehalt der direkten Marktkonkurrenten angeglichen - vor allem auch jenem des größten Rivalen Carlsberg’s Tetley Smoothflow. Die dänische Carlsberg-Brauerei liegt in der Rangliste der weltweit größten Bierbrauer direkt hinter Heineken auf Platz vier.

Kunden erheben Einspruch

„Marktstudien mit Kunden und Händlern haben ergeben, dass eine Alkoholreduktion um 0,2 Prozent den Geschmack und die Qualität nicht beeinträchtigt“, ließ Heineken laut „Financial Times“ verlautbaren. Augenscheinlich teilen nicht alle Kunden diese Einschätzung. Die Mitglieder des Working Men’s Club in Grimethorpe, einem Bergarbeiterdorf in der Nähe der John-Smith’s-Brauerei in der englischen Grafschaft North Yorkshire, geben sich kämpferisch: „Die Brauerei will gleichzeitig das Bier verwässern und den Preis erhöhen“, sagte Club-Sekretär Philip Evans. „Wir werden ihrem Vertreter sagen: Entweder sinkt der Preis oder das Bier wird bald Geschichte sein.“

Steuern auf Bier steigen

Heineken machte für die Preissteigerung einerseits die steigenden Energie- und Herstellungskosten und andererseits die höheren Steuern verantwortlich. Seit einer Vereinbarung 2008 steigt die Steuer auf Bier im Vereinigten Königreich jährlich um zwei Prozent über der Inflation. Laut der British Beer and Pub Association, die die Brauereien vertritt, lukriert das britische Finanzministerium jährlich etwas mehr als neun Milliarden Pfund (etwa elf Mrd. Euro) aus Steuern auf Produktion und Verkauf von Bier.

Trotz der steigenden Steuern erwarten die Brauereivertreter nicht, dass viele Bierhersteller dem Beispiel der Heineken-Brauerei folgen werden. Der Geschmack sei für die Kunden schließlich ein entscheidendes Kriterium für die Kaufentscheidung. Laut der Lobbygruppe Campaign for Real Ale (CAMRA; etwa: Kampagne für echtes Ale) haben sich die britischen Steuern auf Bier seit 2008 um 40 Prozent erhöht. Im selben Zeitraum hat sich die Zahl regelmäßiger Pub-Besucher in Großbritannien um etwa drei Millionen verringert, und fast 6.000 Pubs wurden geschlossen, wie die „Financial Times“ schreibt.

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