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Von Rakete während Luftkampfs getroffen

Die italienischen Justizbehörden sind nach mehrjährigen Ermittlungen zu dem Schluss gekommen, dass der mysteriöse Flugzeugabsturz einer DC-9-Maschine, die am 27. Juni 1980 von Mailand Richtung Palermo geflogen war, von einer Rakete verursacht wurde.

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Die Maschine wurde über dem Mittelmeer unweit der Insel Ustica abgeschossen. Das Kassationsgericht in Rom hat daher am Montag beschlossen, dass der italienische Staat die Familienangehörigen der 81 Opfer entschädigen muss, weil er nicht mit ausreichenden Zivil- und Militärkontrollen die Sicherheit des Flugraums garantiert hatte.

Wrack der DC-9

APA/EPA/Giorgio Benvenuti

Die Trümmer wurden 2006 zu einer temporären Gedenkstätte transportiert

Familien begrüßen Urteil

Es handelt sich um ein letztinstanzliches Urteil. Damit werden den Familienangehörigen Entschädigungen zugesprochen. Die Familien der Opfer begrüßten das nunmehrige Urteil. Bereits 2011 hatte ein sizilianisches Gericht die italienische Regierung zu einer Schadensersatzzahlung von 100 Millionen Euro an die Familien der Opfer verurteilt. Über die genaue Summe, die ausgezahlt werden soll, wurde am Montag hingegen nichts bekannt.

Jahrzehntelange Gerüchte und Spekulationen

Um das „Massaker von Ustica“, wie der Absturz in Italien genannt wird, ranken sich seit Jahrzehnten Gerüchte und Spekulationen, die auch das Parlament beschäftigten. Ein Untersuchungsbericht kam auf über 5.000 Seiten. Nach jahrelangen Ermittlungen drang an die Öffentlichkeit, dass die Passagiermaschine der Linie Itavia vermutlich mit einer Rakete abgeschossen wurde.

Die Maschine sei in einen Luftkampf zwischen NATO und libyschen Streitkräften geraten, hieß es darin. Eine internationale Ermittlergruppe hatte hingegen erklärt, das Unglück sei durch eine Bombe auf der Toilette verursacht worden.

Libyscher Kampfjet mögliches Ziel

Die Kassationsrichter waren am Montag allerdings der Ansicht, dass der Absturz von einer Rakete verursacht wurde. Keine ausreichenden Beweise gäbe es hingegen zur Untermauerung des Verdachts, dass eine Bombe an Bord der Maschine explodiert sei.

Die Richter schlossen nicht aus, dass die Passagiermaschine versehentlich von einem amerikanischen NATO-Kampfflugzeug abgeschossen worden war. Die Rakete, die möglicherweise die Maschine der Fluglinie Itavia traf, könnte auf einen libyschen Kampfjet gerichtet gewesen sein.

Ermittlungen „in Irre geführt“

Die Ministerien für Verkehr und Verteidigung müssen die Entschädigung an die Hinterbliebenen der Todesopfer des Ustica-Absturzes zahlen, weil sie durch Nachlässigkeit und Unterlassungen den Absturz mitverursacht und die Ermittlungen jahrelang behindert hätten, urteilte das Gericht.

Die beiden Ministerien hätten nicht die Sicherheit des Fluges garantiert. Außerdem seien die Ermittlungen über die Hintergründe des Absturzes irregeführt worden, was zu den großen Rätseln der jüngsten italienischen Geschichte zählt, stellten die Justizbehörden fest. Das italienische Verteidigungsministerium soll die Ermittlungen fehlgeleitet haben, um die NATO respektive die USA nicht in Verlegenheit zu bringen.

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