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Rückzug aus Unterhaltungselektronik

Für 150 Millionen Euro verkauft Philips seine schwächelnde Audio- und Videosparte an seinen japanischen Partner Funai. Die Marke Philips soll vorerst bestehen bleiben - schließlich profitiert sie von einer langjährigen Geschichte. So war Philips unter anderem an der Entwicklung der CD beteiligt und brachte die erste Musikkassette auf den Markt.

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Mit dem Verkauf zieht sich Philips komplett aus dem Bereich mit Kopfhörern, Lautsprechern, Docking-Stations, MP3- und DVD-Playern zurück. Philips-Chef Frans van Houten hatte im vergangenen Jahr angekündigt, verschiedene Geschäftsmodelle für die Sparte zu prüfen. Philips arbeitet bereits seit geraumer Zeit mit Funai zusammen.

Marke Philips bleibt erhalten

Der Vertrag soll vorerst fünfeinhalb Jahre laufen, Produkte aus dem Bereich sollen, wie auch Fernseher, weiter unter der Marke Philips auf den Markt kommen. Funai übernimmt den kompletten Audiobereich im zweiten Halbjahr 2013, aus Lizenzgründen 2017 dann den Bereich DVD und Blu-ray. Philips will sich ganz auf die angestammten Bereiche Licht und Medizintechnik, aber auch Haushaltselektronik wie Kaffeemaschinen und Staubsauger konzentrieren.

Philips-Kassettenspieler Roller

ChristosV under cc by-sa

Philips-Kassettenrekorder Roller

Als Marke hat Philips eine lange und traditionsreiche Geschichte. 1891 gegründet, begann Philips zuerst mit der Herstellung von Kohlenfadenlampen. 1918 stieg der Hersteller mit einer eigenen Röntgenröhre in den Medizinmarkt ein, 1927 wurde ein eigener Geschäftsbereich dafür gegründet. Im gleichen Jahr startete Philips die Produktion von Radios und stieg einige Jahre später zum führenden Radiohersteller auf.

Kompaktkassette von Philips entwickelt

Schon früh begann Philips mit der Diversifikation seiner Produktbereiche: Parallel zur Entwicklung von Fernsehgeräten brachte Philips 1939 mit dem Philishave einen elektrischen Rasierapparat auf den Markt. Das Hauptaugenmerk lag aber, neben der Entwicklung von elektronischen Bauteilen, lange Zeit vor allem auf der Entwicklung und Produktion von Unterhaltungselektronik.

Kassettenrekorder und Kassetten

Philips

Kompaktkassette und Rekorder von Philips

1963 stellte Philips die erste Kompaktkassette vor und legte damit nicht nur den Grundstein für den mobilen Musikkonsum sondern auch für Generationen von selbst aufgenommenen und zusammengestellten Mixtapes. Auch an der Entwicklung der Compact Disc (CD) war Philips maßgeblich beteiligt, hielt sich aber eine Zeit lang mit der Markteinführung zurück, aus Angst, das eigene Musikgeschäft zu beschädigen.

CD und DVD mitentwickelt

Diese Einstellung wurde später auch dem oftmaligen Partner Sony zum Verhängnis. Sony konnte mit dem Walkman zwar eine starke Marke für kleine Kassettenabspielgeräte etablieren, verlor den Markt für digitale Abspielgeräte aber dann an Apple, weil die ersten digitalen Musikplayer von Sony das MP3-Format nicht unterstützten. Philips’ Plattenfirma, die Philips Phonographische Industrie, wurde 1950 gegründet und ist nach mehreren Fusionen, aus denen dann PolyGram entstand, mittlerweile Teil der Universal Music Group.

Erster CD-Player von Philips

Philips

Philips’ erster CD-Player

1980 schließlich stellten Sony und Philips gemeinsam den Standard für CDs vor, 1982 lief die Massenproduktion der CD-Player an. Mitte der 1980er Jahre konnte sich die CD auf dem Markt auch etablieren. Philips war ebenfalls an der Weiterentwicklung, der DVD, beteiligt. Mit ihren Videosystemen hatten Philips und Sony weniger Glück: Philips’ 1979 vorgestelltes Videosystem Video 2000 konnte sich wie auch Sonys Betamax am Ende nicht gegen die VHS durchsetzen. Auch der Nahfunk NFC, für den Philips gemeinsam mit Sony den Standard setze, kämpft immer noch um breite Akzeptanz.

Konzentration auf drei Bereiche

Mit dem jetzigen Verkauf beschleunigt Philips seinen Umbau und die Konzentration auf die drei Kernbereiche Gesundheitstechnik, Lichttechnik und Haushaltselektronik. „Damit schließen wir den Ausstieg aus der Unterhaltungselektronik ab“, sagte Philips-Chef Van Houten bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. Erst vor einem Jahr wurde das TV-Geschäft in ein Joint Venture ausgegliedert.

Im vergangenen Quartal rutschte Philips wegen der Kosten für den Konzernumbau und einer EU-Kartellstrafe wegen Preisabsprachen im TV-Markt in die roten Zahlen. Im Gesamtjahr konnte Philips nach einem Milliardenverlust 2012 wieder positiv wirtschaften. Philips will gegen die Kartellstrafe zwar ankämpfen, in der Unterhaltungselektronik macht Philips aber schon seit längerem die Konkurrenz aus Asien zu schaffen. Das sorgte nun offenbar für den doch recht überraschenden kompletten Ausstieg.

Philishave-Rasierer

Vulkano Uwe H. Friese under cc by-sa

Rasierapparat Philishave

Immer wieder trennte sich Philips von verlustträchtigen Sparten, 2006 etwa vom auch in Österreich tätigen Halbleiterbereich (NXP). In Österreich hat Philips eine lange Geschichte, mit Standorten unter anderem in Klagenfurt und Wien. In den letzten Jahren schrumpfte Philips Austria nicht nur wegen der Auslagerungen aber spürbar. So wurden etwa die Faxproduktion und die Spracherkennung vor einigen Jahren verkauft, bereits 2002 wurde die Produktion von Schlüsselkomponenten und die Produktentwicklung für analoge Videorekorder im Jahr 2002 in Wien eingestellt - sie ging damals bereits an Funai.

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