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231 Mrd. US-Dollar Handelsüberschuss

China ist nach Informationen der Wirtschaftsagentur Bloomberg zur größten Handelsnation weltweit aufgestiegen. Erstmals seit Jahrzehnten stehen damit nicht mehr die USA an der Spitze der größten Handelsnationen.

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In den USA wurden 2012 demnach Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,82 Billionen US-Dollar (knapp 2,9 Billionen Euro) ein- und ausgeführt, wie das US-Handelsministerium am Freitag bekanntgab. Chinas Importe und Exporte beliefen sich im Vorjahr hingegen auf 3,87 Billionen US-Dollar. Und während die USA ein Handelsdefizit von mehreren hundert Milliarden US-Dollar verzeichnen, hatte die Volksrepublik einen Überschuss von 231 Milliarden US-Dollar (173 Mrd. Euro).

Bald wichtiger als europäische Handelspartner?

Die Bedeutung Chinas als Handelspartner wird damit für westliche Nationen immer größer: Goldman-Sachs-Fondsmanager Jim O’Neill rechnet damit, dass europäische Länder wie zum Beispiel Deutschland mit Ende des Jahrzehnts bereits doppelt so viel nach China exportieren werden als etwa in eigene Nachbarstaaten wie Frankreich. „China wird mit großer Geschwindigkeit zum wichtigsten bilateralen Handelspartner für viele Länder weltweit“, so O’Neill.

Zwar geht das Tempo von Chinas Wachstum seit mehreren Jahren zurück - im vergangenen Jahr wuchs die chinesische Wirtschaft um 7,8 Prozent, im Jahr 2010 war die Wirtschaft noch um 10,4, im Jahr 2011 um 9,3 Prozent gewachsen. Neue Zahlen vom chinesischen Außenhandel lassen aber auf eine Erholung hoffen.

Kräftiger Anstieg bei Exporten

So stiegen etwa die Ausfuhren im Jänner im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25,0 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit April 2011. Noch deutlicher legten die Einfuhren zu, die als Indikator für die Binnennachfrage gelten. Sie stiegen im Jahresvergleich um 28,8 Prozent. Das ist der höchste Wert seit elf Monaten. Die Zahlen - die durch das chinesische Neujahrsfest etwas verzerrt sind - lagen deutlich über den Markterwartungen.

Die USA sind nichtsdestotrotz nach Angaben der Weltbank mit großem Vorsprung die größte Volkswirtschaft weltweit. So betrug das Bruttoinlandsprodukt, also der Gesamtwert aller Güter, die innerhalb der Landesgrenzen hergestellt wurden, in den USA 2011 15 Billionen US-Dollar (etwa elf Billionen Euro) - und in China 7,3 Billionen US-Dollar (fünf Billionen Euro). „Es ist bemerkenswert, dass eine Wirtschaftsnation mit einem Bruchteil der Größe der USA ein größeres Handelsvolumen hat“, sagte Nicholas Lardy vom Peterson Institute for International Economics in Washington gegenüber Bloomberg.

Hauptexporte: Elektronik und Bekleidung

Schon seit 2009 ist China der weltgrößte Exporteur, während die USA weiterhin die Nummer eins bei den Importen sind. Die wichtigsten Exportgüter Chinas sind nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amts: elektronische Erzeugnisse, Textilien und Bekleidung, Elektrotechnik, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die EU ist Chinas größter Abnehmer, gefolgt von den USA, Hongkong und Japan. Laut O’Neill zeigen die Zahlen jedenfalls die Notwendigkeit, China stärker in die globale Finanz- und Handelsarchitektur miteinzubeziehen. Alles andere sei schlicht „dumm“, so O’Neill.

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