Zypern-Wahl als Chance für Bail-out-Verhandlungen

Zypern droht die Staatspleite, das Land braucht ein milliardenschweres Hilfspaket, das noch im März stehen soll. Zugleich wählt es am Sonntag einen neuen Präsidenten und tauscht damit das Verhandlungsteam mit den internationalen Geldgebern - EU, EZB und IWF - aus. Doch der Führungswechsel werde Zypern guttun und die Verhandlungen erleichtern, glaubt der Politologe Thanos Dokos vom Athener Forschungsinstitut ELIAMEP.

Milliardenhilfe beantragt

Hilfskredite für Zypern sind schon seit fast zwei Jahren im Gespräch, zuletzt hatte die Regierung des kommunistischen Präsidenten Dimitris Christofia in Brüssel 17,5 Milliarden beantragt. Der Bail-out verzögerte sich aber immer wieder. „Meine Hoffnung ist, dass, sobald ein neuer Präsident gewählt und seine Regierung im Amt ist, die Dinge glatter ablaufen werden“, sagte der Politikwissenschaftler der APA.

Verzögert hatte eine Lösung auch der Vorwurf, Zypern diene als Geldwäscheparadies für russische Geschäftsleute. Das löste Misstrauen bei den internationalen Geldgebern aus. „Teil des Problems sind die langjährigen guten Beziehungen Zyperns mit Russland“,
sagte Dokos.

Geld aus Moskau

Moskau hatte den Zyprioten bisher sogar einen Hilfskredit von 2,5 Milliarden Euro aus Russland verschafft. Der Großteil der Gelder, die Zypern zur Abwendung einer möglichen Staatspleite benötige, müsste aber von den EU-Staaten kommen, betonte der Politikwissenschaftler.

Als haushoher Favorit für die Wahl gilt der Konservative Nikos Anastasiadis - dieser sei als Pragmatiker bekannt und werde in Brüssel respektiert, sagte Dokos. „Er wäre der wahrscheinlich proeuropäischste Präsident, den Zypern seit vielen Jahren hätte.“ Neben seinem Drängen auf eine europäische Lösung des Schuldenproblems trete er auch vehement für die Umsetzung des UNO-Plans zu Wiedervereinigung der seit Jahrzehnten geteilten Insel ein.