Ägypten: Krisengespräche zwischen Islamisten und Opposition

Spitzenvertreter von Ägyptens islamistischer Regierung und der liberalen Opposition sind Politikern zufolge nach den schweren Unruhen der vergangenen Wochen zu direkten Gesprächen zusammengekommen. Das Treffen habe im privaten Rahmen stattgefunden und zum Ziel gehabt, eine Lösung der schweren innenpolitischen Krise zu finden. Über den Ausgang wurde zunächst nichts bekannt.

Zu den Teilnehmern zählten nach Angaben der Politiker mit Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei und Sajed al-Badawi zwei Anführer des Oppositionsbündnisses Nationale Heilsfront. Für die islamistischen Muslimbrüder kam demnach der Chef der regierenden Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, Saad al-Katatni.

Gespräche mit Präsident Mohammed Mursi hatte die Nationale Heilsfront bisher strikt abgelehnt. Die Lage in Ägypten spitzte sich um den zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak zu. In mehreren Städten zogen zahlreiche Ägypter auf die Straßen, um gegen Mursi und die Muslimbrüder zu demonstrieren. Dabei kam es zu teils schweren Ausschreitungen mit etwa 60 Toten seit Ende Jänner.

Polizei wird aufgerüstet

Unterdessen hat die Regierung offenbar die Aufrüstung der Polizei beschlossen. Wie nun informell bekanntwurde, genehmigte Innenminister Mohammed Ibrahim die Beschaffung von 100.000 Pistolen. Damit sollten auch Polizisten mit niedrigen Dienstgraden Schusswaffen erhalten, die bis jetzt unbewaffnet ihren Dienst tun. In Ägypten verfügen derzeit lediglich Offiziere und bestimmte Polizeieinheiten über Schusswaffen oder Schlagstöcke.

Seit dem Sturz von Machthaber Mubarak Anfang 2011 hat sich die Sicherheitslage in dem nordafrikanischen Land deutlich verschlechtert. Während der Revolte damals wurden 33 Polizisten getötet, die Demonstranten zündeten außerdem Polizeiwachen an. In den vergangenen Wochen waren Proteste gegen die jetzige Regierung immer wieder in Gewalt umgeschlagen. Als Reaktion demonstrierten Polizisten in den vergangenen Tagen für die Ausstattung mit Waffen und bessere Arbeitsbedingungen.