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„Friendly Competition“

Die Europäische Südsternwarte (ESO) betreibt zusammen mit amerikanischen und südostasiatischen Astronomieorganisationen in der nordchilenischen Atacama-Wüste das weltgrößte Radioteleskop. Derzeit werden die letzten der insgesamt 66 Antennen auf dem über 5.000 Meter hohen Chajnantor-Plateau errichtet.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

ORF.at/Peter Prantner

Über die ALMA-eigene Zufahrtsstraße gelangt man zunächst zu der auf 2.900 Metern gelegenen Basisstation (Operations Support Facility, OSF), bei der die Montage der Teleskope erfolgt

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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In der OSF befinden sich neben dem Kontrollzentrum auch die Unterkünfte der Wissenschaftler, Techniker und Arbeiter. Zudem werden dort die Antennen zusammengebaut.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Die ESO ist für den Bau von 25 Teleskopen verantwortlich. Für die Umsetzung wurde von mehreren europäischen Industrieunternehmen das AEM-Kosortium gegründet, das - wie ein amerikanisches und asiatisches Konsortium auch - einen eigenen Montagestandort betreibt. Auf dieser Baustelle arbeitet ein rund hundertköpfiges Team, darunter Ingenieure und Arbeiter aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Chile, Mexiko und Indien.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Die Bestandteile für die ESO-Antennen stammen bis auf die letzte Schraube ausschließlich aus Europa und werden von dort per Container angeliefert

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Als heikel geltende Arbeitsschritte - darunter etwa der Einsatz von hochempfindlichen Lasern - erfolgen in abgeschotteten und klimatisierten Hallen

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Das gilt auch für den Zusammenbau der in zwei Teilen angelieferten Zwölmeterreflektoren, die in einem ersten Schritt im Rahmen eines komplexen Verfahrens zusammengeklebt werden müssen

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In Summe wird auf der Baustelle sechs Monate an jeder Antenne gearbeitet, so der für AEM zuständige deutsche Ingenieur Frank Hoelig

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Bei der Montage der rund 100 Tonnen schweren Kolosse handelt es sich um Hochpräzisionsarbeit. Die Abweichung der Reflektorenfläche beträgt beispielsweise zum Schluss lediglich bis zu zehn Mikrometer. Würde man auf die Fläche von Chiles Hauptstadt Santiago ein Matchboxauto stellen, würde dieses laut Hoelig jener Abweichung entsprechen, die im Durchschnitt die innere Fläche eines Antennenreflektors hat.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Die europäischen Antennen unterscheiden sich nicht nur im Design von den amerikanischen und japanischen - auch beim Antrieb wollte man bei AEM neue Maßstäbe erreichen und setzte - ähnlich wie etwa bei der Magnetschwebebahn Transrapid - auf einen Direktantrieb. Von der Technik her seien die eigenen Antennen sicher besser, so Hoelig, der gleichzeitig einen „freundlichen Wettbewerb“ zwischen Europa, Amerika und Japan eingestand.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Einmal fertiggestellt, durchlaufen die Antennen in Kooperation mit der ESO noch auf der Baustelle ein umfangreiches Testprogramm. Erst dann werden sie ALMA übergeben, wo dann neben dem Einbau der Empfangsteile neuerlich Tests auf dem Programm stehen. Einem der zuständigen Astronomen zufolge muss sichergestellt werden, dass die von ALMA gestellten hohen Ansprüche auch bis ins letzte Detail erfüllt wurden.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Nach einer weiteren rund sechswöchigen Testphase werden die Antennen dann auf die 5.000 Meter hohe High Site gebracht

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Dort befinden sich die „Steckplätze“, an denen die Teleskope in beliebiger Anordnung in Abständen von bis zu 16 Kilometern platziert werden können

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Das Arbeiten auf 5.000 Metern, gepaart mit den extremen Bedingungen der Atacama-Wüste, ist eine körperliche Herausforderung. Zu den umfangreichen Vorkehrungen zählt eigenes Sicherheitspersonal, das in einem der höchstgelegenen Gebäude der Welt (Array Operations Site, AOS) Dienst versieht.

Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste

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Probleme mit den Antennen selbst dürfte es nach Ansicht des italienischen ESO-Ingenieurs Silvio Rossi aber nicht geben. Die Antennen seien „sehr, sehr robust“.