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Noch keine „konkreten Erkenntnisse“

Der deutsche Astronom Rainer Mauersberger wacht derzeit als Commissioning Scientist über den Aufbau des internationalen Großprojekts Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) im Norden Chiles. Sein eigener wissenschaftlicher Fokus liegt aber auf der Erforschung chemischer Vorgänge - und über diese könnte es auch erste Antworten auf die Frage geben: Gibt es Leben im All?

Aus rein wissenschaftlicher Sicht gebe es dafür zwar noch keine „konkreten Erkenntnisse“, man könne deswegen nur spekulieren. Mauersberger selbst hält dabei die Existenz von Lebensformen im All aber nicht nur für sehr wahrscheinlich: Dort könnte es vielmehr „nur so von Leben wimmeln“, so der Wissenschaftler gegenüber ORF.at.

Zettel mit der Aufschrift "Chemistry in our Milky Way"

ORF.at/Peter Prantner

Bereits die ersten ALMA-Daten brachten teils bahnbrechende Erkenntnisse

Komplexe chemische Verbindungen

Grund für diese Annahme ist, dass auch auf der Erde, „sobald es irgendwie möglich war“, die ersten primitiven Anzeichen von Leben entstanden. Zudem stieß er bereits im Rahmen seiner eigenen Forschungsarbeit auf „erstaunliche“ Erkenntnisse, darunter etwa „recht komplexe“ chemische Verbindungen. Konventionelle Chemiker würden in diesem Zusammenhang sofort sagen, „da können gar keine solche chemische Reaktionen stattfinden“, so Mauersberger.

Nachdem Moleküle wie Ammoniak, Wasser und Methanol in den untersuchten Gaswolken bereits nachgewiesen werden konnten, würde es Mauersberger nun „nicht wundern“, dass mit ALMA zum ersten Mal auch ein Nachweis von Aminosäuren außerhalb des Sonnensystems möglich ist. Da es solch komplexe Moleküle auch gab, als sich unsere Sonne und Erde gebildet haben, stellt sich Mauersberger zufolge nun automatisch die Frage: „Haben diese Moleküle, die im Weltall entstanden sind, vielleicht auch zur Entstehung unseres Lebens in der Ursuppe beigetragen?“

„Wenn das so ist, wo sind sie dann?“

Skeptisch zeigte sich der Forscher aber dazu, dass man im All auf intelligentes Leben stoßen werde. Zwar könne man über alles spekulieren und selbst roboterbauende Superzivilisationen, die die Galaxie kolonialisieren, nicht ausschließen. Mit Verweis auf ein Zitat des italienischen Physikers Enrico Fermi (1901 bis 1954) stelle sich aber die Frage: „Wenn das so ist, wo sind sie dann?“

Sollte es andere Zivilisationen geben, könne auch sein, dass sie kurzlebig waren bzw. sind und sich allein aus diesem Grund nie treffen werde. Zudem habe die Entstehung von intelligentem Leben auch auf der Erde mehrere Milliarden Jahre gedauert und sei von vielen Zufällen bedingt gewesen. Nicht ausgeschlossen werden kann laut Mauersberger daher, „dass wir einzigartig sind“.

Peter Prantner, ORF.at

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