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Neubau trotz Neins bei Volksbefragung

Vor fast 20 Jahren wurde der Verein der Freunde des Linzer Musiktheaters gegründet, jetzt hat er in Form eines Neubaus Gestalt angenommen. Am Donnerstag wurde das Haus offiziell eröffnet - und neben dem Bruckner Orchester hat auch eine neue Musicalsparte ein Zuhause gefunden.

„Der bauliche Zustand und die räumliche Enge sowie die Unwirtschaftlichkeit des über 200 Jahre alten Landestheaters erfordern den Neubau eines Musiktheaters,“ erklärt der Verein auf seiner Homepage seinen langgehegten Wunsch nach einem neuen, größeren Haus. Vor allem „schlechte akustische und sichtmäßige Verhältnisse“ waren es, die von der Bürgerinitiative angeprangert wurden, „ein Drittel der Plätze kann man nur an Taube oder Blinde verkaufen.“

Die Frage „wohin mit dem neuen Theater?“ beschäftigte die Landes- und die Stadtpolitik über mehrere Jahre hinweg. 1995 einigten sich Land Oberösterreich und Stadt Linz auf einen Neubau im Linzer Schlossberg an der Donau, der zum Teil unterirdisch angelegt werden sollte. Es wurden sogar schon die Vorbereitungen für den Bau in Angriff genommen.

Architekt Otto Häuselmayer mit ursprünglichem Siegermodell

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Architekt Otto Häuselmayer mit ursprünglichem Siegermodell des Theaters im Berg

„Kleiner Mann baut große Oper“

Dann allerdings kam es zu einer von der FPÖ initiierten Volksbefragung am 26. November 2000. „Kleiner Mann baut große Oper“ war einer der populistischen Slogans, mit denen die Partei gegen den Neubau Stimmung machte. Tatsächlich sprachen sich 60 Prozent gegen einen Musiktheaterneubau aus.

Für die Fragestellung „Soll in Linz ein neues Musiktheater gebaut werden?“ gab es allerdings unterschiedliche Interpretationen: Während die Freiheitlichen das Votum als generelles Nein für einen Theaterneubau werteten, sahen die übrigen Fraktionen lediglich eine Absage an das Theater im Berg.

Plakate zur Abstimmung über das Volkstheater

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2000 initiierte die FPÖ eine Volksbefragung, mit der man das Musiktheater verhindern wollte

„Mehrspartenhaus“ als Anziehungspunkt

Ein Expertenbericht stellte im Jänner 2003 fest, „Umbauten“ des bestehenden Landestheaters reichten nicht aus, eine bauliche Neukonzeption sei notwendig. ÖVP, SPÖ und Grüne fassten am 3. Juli 2003 im oberösterreichischen Landtag einen gemeinsamen Grundsatzbeschluss zum Theaterneubau. Es sollte sich um ein „Mehrspartenhaus“ - also für Musiktheater, Schauspiel, Tanz sowie Kinder- und Jugendtheater - handeln, das „durch optimale städtebauliche Konzeption einen Anziehungspunkt für die Landeshauptstadt Linz darstellt“.

Drei Fünftel der Oberösterreicher „stolz“

Vier Jahre nach der Volksbefragung fiel die Wahl schließlich auf das Gelände des ehemaligen Linzer Unfallkrankenhauses an der Blumau, wo der Bau nun realisiert wurde. Von der Ablehnung ist jedenfalls nicht mehr viel zu spüren: Das neue Musiktheater in Linz machte schon vor der Eröffnung gut drei Fünftel der Oberösterreicher stolz, besagt eine im Februar veröffentlichten Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS bei 608 für die oberösterreichische Bevölkerung ab 16 Jahren repräsentativen Personen.

Konkret seien 63 Prozent der Oberösterreicher stolz auf das neue Musiktheater. 25 Prozent meinen hingegen, darauf „kann man nicht stolz sein“. Für 33 Prozent der Befragten ist die neue Oper „sehr wichtig“ für das kulturelle Leben in Oberösterreich und für den Tourismus. Für 40 Prozent ist es „einigermaßen wichtig“. Besonders überzeugt sind Frauen, Personen mit höherer Bildung und Bewohner der Landeshauptstadt. Acht Prozent halten die neue Spielstätte für „überhaupt nicht wichtig“, weitere 16 Prozent für „eher nicht so wichtig“.

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