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Vom Busfahrer zum Kronprinzen

Nach dem Tod von Venezuelas Präsident Hugo Chavez soll sein Stellvertreter Nicolas Maduro nun die Lücke füllen, die der Linksnationalist hinterlässt. An ihm war es auch, die Nachricht vom Tod des langjährigen Staatschefs am Dienstagabend zu verkünden. „Wir haben soeben die schwerste und tragischste Information erhalten, die wir unserem Volk ankündigen können“, sagte Maduro im venezolanischen Fernsehen.

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Mit dem Tod des Präsidenten übernimmt der frühere Busfahrer und Gewerkschafter jetzt die Führung der „chavistischen“ Bewegung - zumindest bis zu den binnen 30 Tagen stattfindenden Neuwahlen. Die schwere Krebserkrankung Chavez’ ließ Maduro zuletzt zum Kronprinzen aufsteigen. Schon in den vergangenen Wochen, in denen sich der Gesundheitszustand des Staatschefs rapide verschlechtert hatte, führte Maduro de facto die Amtsgeschäfte.

Venezuelas Vizepräsident Nicolas Maduro

AP/Telesur

Maduro gibt im Fernsehen den Tod von Chavez bekannt

„Ein Revolutionär durch und durch“

Nach seinem erneuten Wahlsieg Anfang Oktober hatte Chavez Maduro zunächst zu seinem Vize ernannt. Bevor er Mitte Dezember zu einer weiteren Operation nach Kuba aufbrach, empfahl er ihn seinen Anhängern dann auch als möglichen Nachfolger. Der 50-jährige Maduro sei „ein Revolutionär durch und durch“, sagte Chavez. „Mit seiner starken Hand, seiner Vision, seinem Herzen eines Mannes des Volkes“ habe Maduro die Fähigkeit zur Führung des Landes.

Maduro gilt als einer der treuesten Gefolgsleute und Weggefährten von Chavez. Als der Linkspopulist 1999 erstmals Präsident wurde, errang Maduro als Mitglied seiner Bewegung einen Parlamentssitz. 2005 wurde er Parlamentspräsident, bevor Chavez ihn ein Jahr später zum Außenminister ernannte.

„Chavistische“ Seite offenbar

Treu vertrat er Chavez’ „antiimperialistischen“ Kurs und trug dessen Unterstützung für Syrien, den Iran und Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi mit. Über Maduros Privatleben ist nicht viel mehr bekannt, als dass er mit der Generalstaatsanwältin Cilia Flores verheiratet ist.

Zwar galt der hochgewachsene und breitschultrige Politiker mit dem markanten Schnurrbart bisher als moderater und konzilianter als Chavez - Weggefährten beschrieben ihn als freundlich, zugänglich und dialogbereit. Doch seit er die täglichen Amtsgeschäfte führt, hat er sich zunehmend von seiner „chavistischen“ Seite gezeigt. „Es ist klar, dass Maduro diese Taktik anwendet, um seine Macht zu festigen“, sagt der Chef des Umfrageinstituts Datanalisis, Luis Vicente Leon. Es handele sich um eine „harte Taktik der Radikalisierung und Einschüchterung interner und externer Rivalen“.

Harsche Töne Richtung Opposition

Vor allem gegenüber der seiner Meinung nach „dekadenten“ Opposition verschärfte Maduro den Ton. Den Gouverneur Henrique Capriles, der Chavez bei der Wahl im Oktober unterlag, nannte er den „Prinzen einer parasitären Bourgeosie“. „Wir schwören, dass kein kleiner Bourgeois jemals wieder die Menschen abzockt“, sagte Maduro erst vergangene Woche bei einem öffentlichen Auftritt.

Auch wandte er sich gegen das US-„Imperium“ - kurz nach Chavez’ Tod ließ er zwei US-Diplomaten wegen Vorwürfen der „Destabilisierung“ Venezuelas ausweisen. Den „historischen Feinden“ Venezuelas warf er vor, hinter Chavez’ Krebserkrankung zu stecken.

Streitigkeiten offiziell dementiert

Maduro wird bedeutender Einfluss auf die verschiedenen Flügel der „Chavisten“ zugeschrieben. Gerüchte über einen aufziehenden Machtkampf mit Parlamentspräsident Diosdado Cabello wiesen beide offiziell zurück. Cabello gilt als größter möglicher Rivale Maduros innerhalb der Partei. Sie seien „einiger als je zuvor“, versicherte Maduro vor einigen Wochen. Und Cabello sagte, die Opposition werde „2000 Jahre“ darauf warten müssen, dass die Erben von Chavez sich zerstritten.

Zwar tritt Maduro bei den Neuwahlen als Spitzenkandidat der Regierungspartei an, es bleibt aber ungewiss, ob er den „Commandante“, der die venezolanische Politik seit seiner ersten Wahl vor 14 Jahren unangefochten dominierte, ersetzen kann. Auf den Straßen von Caracas sagen zwar viele „Chavisten“, dass Maduro seine Sache gut mache und sie für ihn stimmen würden. Dennoch sei Chavez die Art von Staatschef gewesen, die es nur einmal im Leben gebe.

Laurent Thomet, AFP

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