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Hunger, Obdachlosigkeit, Angst

Die Kinderschutzorganisation Save the Children beschuldigt die Konfliktparteien in Syrien, Kinder als Kämpfer und menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Buben und Mädchen würden „mehr und mehr direkt in Gefahr gebracht“, heißt es in einem Bericht der Organisation, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

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Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen rekrutierten Kinder „als Boten, Wachleute, Informationsbeschaffer und Kämpfer“. Auch wenn viele Kinder und Familien auf solche Einsätze stolz seien, erfolge die Rekrutierung doch meist mit Gewalt, schrieb Save the Children. Bereits Achtjährige würden als menschliche Schutzschilde missbraucht.

„Kindheit zerstört“

Zwei Millionen Kinder in Syrien seien unschuldige Opfer des Bürgerkrieges geworden, heißt es in dem Bericht. Mehrere tausend hätten nicht genug zu essen, viel mehr hätten flüchten müssen und lebten nun teilweise im Freien oder in Scheunen oder Höhlen. Wenn die Kinder krank seien oder verletzt würden, stünden ihnen keine Medikamente zur Verfügung. Viele erhielten keine Ausbildung mehr - rund 2.000 Schulen sind entweder zerstört oder wurden zu Notunterkünften umfunktioniert, berichtet die BBC. Kinder seien die vergessenen Opfer des Konflikts.

„Für Millionen Mädchen und Buben ist eine unbeschwerte, unschuldige Kindheit von der grausamen Realität des Krieges und dem täglichen Überlebenskampf zerstört worden“, sagte die Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, Kathrin Wieland. „Mit dem Zusammenbruch der Gesellschaft sind Hunger, Obdachlosigkeit und Angst zu ständigen Begleitern dieser Kinder geworden.“

NGO fordert Zugang für Hilfsorganisationen

Save the Children forderte die Konfliktparteien auf, Hilfsorganisationen Zugang zu den umkämpften Gebieten zu gewähren. Zugleich richtete die Gruppe einen Appell an die Geberländer, bereits zugesagte 1,5 Milliarden Dollar (1,15 Mrd. Euro) für humanitäre Hilfe tatsächlich bereitzustellen.

Auch das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF warnte am Dienstag vor den dramatischen Folgen des Syrien-Krieges für Kinder. „Millionen Kinder in Syrien sehen ihre Vergangenheit und ihre Zukunft verschwinden“, heißt es in einem in Genf vorgestellten Bericht zum zweiten Jahrestag des Beginns des Konflikts. „Das Risiko einer verlorenen Generation wächst jede Stunde, jeden Tag und jeden Monat“, so Sprecher Patrick McCormick.

UNICEF: Generation, die nur Kämpfe kennt

„Wir riskieren, dass eine Generation von Kindern entsteht, die nur Kämpfe sehen und kennen, und die diesen Kreislauf der Gewalt ewig fortsetzen könnte.“ Fast die Hälfte der innerhalb Syriens vertriebenen Flüchtlinge seien unter 18 Jahre, erklärte UNICEF. Die Organisation hatte den finanziellen Bedarf zur humanitären Hilfe von Frauen und Kindern, die in Syrien und in den Nachbarländern als Flüchtlinge von dem Bürgerkrieg betroffen sind, bis Ende Juni auf 195 Millionen Dollar (knapp 150 Mio. Euro) beziffert. Davon seien seitens der internationalen Gemeinschaft erst rund 20 Prozent zur Verfügung gestellt worden, heißt es in dem UNO-Bericht.

Sollte sich die Lage nicht rasch verbessern, sei UNICEF gezwungen, möglicherweise bereits Ende März Hilfeleistungen wie Impfungen, Trinkwasserlieferungen und die Versorgung von Säuglingen zu reduzieren.

70.000 Todesopfer in zwei Jahren

Der bewaffnete Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad dauert seit mittlerweile zwei Jahren an und hat sich zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden bisher mehr als 70.000 Menschen getötet. Wie viele Kinder unter den Todesopfern sind, ist nicht bekannt.

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