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Präsident stellte sich hinter Großanleger

Die zypriotischen Kleinsparer gehen auf die Barrikaden und machen ihrem Unmut Luft, Russlands Präsident Wladimir Putin ist ebenfalls überhaupt nicht zufrieden: Das Rettungspaket für das schwer angeschlagene Zypern mit der Zwangsabgabe für Konteninhaber hat allerorts heftige Reaktionen hervorgerufen. In ganz Europa müssen Sparer beruhigt werden.

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In ihrem Land werde so etwas nicht passieren, heißt es von den Staats- und Regierungschefs. Doch wie kam es bei dem Treffen der Finanzminister der Euro-Zone am Wochenende überhaupt zu dem der Öffentlichkeit offenbar schwer verkaufbaren Tabubruch? Wie kam es zu der Beteiligung der Kontoinhaber an den Kosten des Rettungspaketes, bei dem für Einlagen unter 100.000 Euro ein Einmalbeitrag von 6,75 Prozent, bei höheren Summen 9,9 Prozent fällig werden?

Anastasiades bat Merkel um Hilfe

Vor der Abmachung hatte der neue zypriotische Präsident Nikos Anastasiades die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Brüssel gebeten, mitzuhelfen, eine faire Lösung für Zypern zu finden. Doch offenbar entglitt Anastasiades die Situation immer mehr. Laut übereinstimmenden Angaben war er es, der sich schließlich dafür aussprach, auch die Kleinanleger und nicht nur die russischen Unternehmer und Oligarchen mit ihren im Steuerparadies Zypern geparkten Milliarden zu Kasse zu bitten.

Falsches Vertrauen in Absicherung

Die Fachleute der sogenannten Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF hatten die Zahl 5,8 Milliarden Euro errechnet, die die Anleger zum Rettungspaket beisteuern sollten. Wie viel davon die Wohlhabenden und wie viel die Kleinsparer zu tragen hätten, ließen sie offen. Die Kleinsparer vertrauen europaweit der Regelung, dass 100.000 Euro abgesichert sind. Das gilt rein rechtlich zwar nur für den Fall von Bankpleiten, doch diesen feinen Unterschied machen die Sparer nicht.

Demnach sind in Zypern Anlagen im Wert von rund 30 Milliarden Euro abgesichert - in einem Land mit nur einer Million Einwohnern. Noch größer ist mit 38 Milliarden Euro die Summe, die auf Konten mit mehr als 100.000 Euro liegen. Russen und Briten gelten als Hauptanleger im Steuerparadies Zypern.

Kleinanleger hätten weniger zahlen sollen

Wollte man die Sparer mit bis 100.000 Euro Guthaben nicht zur Kasse bitten, hätten die anderen Einlagen mit einer Abgabe von 15 Prozent belegt werden müssen, um die 5,8 Milliarden Euro zusammenzubekommen. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatten EZB-Ratsmitglied Jörg Asmussen und die rechte Hand von Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem, Thomas Wieser, genau einen solchen Plan ausgearbeitet, der Kleinanleger verschonte.

Sitzung wurde mehrmals unterbrochen

Als der Vorschlag aber dem zypriotischen Präsidenten vorgestellt worden sei, habe dieser kategorisch abgelehnt, die Großanleger mit mehr als zehn Prozent zu belasten, so Insider. Das bedeutete, dass die Großanleger 3,8 Milliarden Euro aufbringen müssten und die Kleinsparer die anderen zwei Milliarden.

Nach Angaben von Teilnehmern ging es danach hoch her. Dijsselbloem und Vertreter von EU, EZB und IWF unterbrachen die Sitzung mehrmals, um mit Anastasiades zu sprechen und ihn von seinem Weg abzubringen. Samstagfrüh soll Dijsselbloem dann vorgeschlagen haben, die unbesicherten Einlagen sollten mit 12,5 Prozent belastet werden.

Rute ins Fenster gestellt

Daraufhin habe Anastasiades wutentbrannt den Saal verlassen. Er kehrte erst zurück, nachdem ihm ranghohe Unterhändler unmissverständlich klargemacht hatten, wenn er nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre, wären der Staatsbankrott und die Schließung der Banken unabwendbar. Schließlich stimmte er der Abgabenregelung zu, bestand aber auf eine Höchstgrenze von 9,9 Prozent für die unbesicherten Einlagen.

Damit war klar, dass alle anderen 6,75 Prozent ihrer Einlagen zahlen müssten. Und Anastasiades und sein Land schlitterten damit in das politische Tauziehen um das Rettungspaket. Anastasiades betonte in den letzten Tagen immer, er werde für die politische Dimension geradestehen und die Verantwortung für das Sparpaket übernehmen.

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