Themenüberblick

Einlagen unter 100.000 Euro garantiert?

Die Euro-Gruppe setzt sich dafür ein, Kleinanleger von der Sonderabgabe für Bankkunden in Zypern auszunehmen. „Die Euro-Gruppe ist weiterhin der Ansicht, dass Kleinanleger anders als Großanleger behandelt werden sollten und bekräftigt die Wichtigkeit, Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren“, erklärte Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem am Montagabend nach einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Verhandlungskreise bestätigten, dass Bankkunden mit Guthaben unter 100.000 Euro nach Ansicht der Euro-Gruppe von der im Rahmen des Hilfspakets für Zypern beschlossenen Zwangsabgabe ausgenommen werden sollten. Die endgültige Entscheidung liege aber bei Zyperns Regierung - und diese entschloss sich am Dienstag, Kleinsparer doch zu verschonen.

„Mehr Progressivität“

Auf Erleichterungen können die Kleinanleger aber offenbar auf jeden Fall hoffen. Die zyprische Regierung werde „mehr Progressivität“ bei der Abgabe anwenden, als noch am Samstag vereinbart, erklärte Dijsselbloem. Voraussetzung sei, dass die anvisierte Reduzierung der Hilfszahlungen durch die Euro-Länder auf zehn Milliarden Euro weiter garantiert bleibe.

Werden die Kleinsparer mit einer geringeren Abgabe belegt, müssen die Inhaber großer Guthaben bei zyprischen Banken stärker zur Kasse gebeten werden, um dieses Ziel zu erreichen. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) zeigte sich „überzeugt, dass Anpassungen für kleine Sparer möglich sind“. Die Euro-Zone habe am Wochenende einen „großen Vertrauensknick“ erfahren.

Geldabfluss befürchtet

Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums sagte, Zypern scheue eine stärkere Besteuerung der Großanleger, weil das Land einen massiven Geldabfluss befürchte. „Zwei Drittel der Einlagen sind aus dem Ausland“, sagte er.

Das finanziell angeschlagene Zypern und die Euro-Finanzminister hatten sich in der Nacht zum Samstag auf Hilfszahlungen in Höhe von zehn Milliarden Euro verständigt. Das war weniger als über Monate hinweg diskutiert, da auch eine Zwangsabgabe für alle Inhaber von Konten bei zyprischen Banken vereinbart wurde: Sparer mit bis zu 100.000 Euro Einlagen sollten nach diesem Plan eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Das sollte zusammen 5,8 Milliarden Euro bringen. Erst am Dienstag wurde der Plan noch einmal geändert.

„Schlimmste Krise seit türkischer Invasion“

Die Banken auf Zypern sollen nach dem Feiertag am Montag noch bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben, wie die zypriotische Zentralbank mitteilte. Damit soll verhindert werden, dass in großem Stil Geld abgezogen wird.

Für Zypern steht viel auf dem Spiel: Sollte das Rettungspaket nicht gebilligt werden, drohe der Inselrepublik der ungeordnete Staatsbankrott, wie Staatspräsident Nikos Anastasiades warnte. Zypern befinde sich im Notstand. Das Land durchlebe seine schlimmste Krise seit der türkischen Invasion und der Teilung der Insel 1974. Anastasiades informiert das Parlament über den Ernst der Lage, sagte ein Sprecher der Regierung.

Links: