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„Die Städte wurden zurückerobert“

Mali wird nach Einschätzung von Frankreichs Staatschef Francois Hollande in kurzer Zeit wieder beinahe vollständig unter der Hoheitsgewalt der dortigen Regierung stehen. Die Souveränität Malis werde „in einigen Tagen in fast der Gesamtheit des Territoriums“ wiederhergestellt sein, sagte Hollande am Mittwochabend in Paris.

Der französische Militäreinsatz habe „bedeutende Erfolge“ erzielt: „Die Offensive der terroristischen Gruppen wurde gestoppt, die Städte wurden zurückerobert.“ Die französische Armee hatte am 11. Jänner ihren Einsatz gegen die Rebellen im Norden Malis - die Islamisten und die Armee der Nationale Befreiungsbewegung des Azawad (MNLA) - begonnen.

Die Islamisten wurden inzwischen aus den wichtigen Städten der Region vertrieben, französische Soldaten gehen derzeit noch im Ifoghas-Gebirge im Nordosten des Landes gegen sie vor. Die MNLA wurde ebenfalls in den äußersten Norden zurückgedrängt. Truppen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) sollen bald das französische Kontingent ablösen, danach könnten UNO-Blauhelmsoldaten für Sicherheit sorgen.

Baldiger Abzug französischer Truppen

Während Hollande Anfang März angekündigt hatte, es werde „ab April“ eine Verringerung der französischen Truppen in Mali geben, sagte Frankreichs Regierungschef Jean-Marc Ayrault am Mittwoch in der Nationalversammlung, die Soldaten würden erst „von Ende des Monats April an damit anfangen zurückzukehren“. Außenminister Laurent Fabius hatte Anfang Februar noch einen Abzug ab März in Aussicht gestellt.

Anschlag in Timbuktu

Unterdessen wurden in der Nacht auf Donnerstag bei einem Autobombenanschlag in Timbuktu nach malischen Militärangaben zwei Menschen getötet. Unter den Toten seien ein Dschihadist und ein malischer Soldat, hieß es aus malischen Armeekreisen. Der Dschihadist sei auf der Stelle getötet worden, als er seinen Sprengstoffgürtel zündete. Der Soldat sei durch die Explosion des Autos verletzt worden und später im Krankenhaus gestorben. Bei dem Anschlag wurden demnach drei weitere malische Soldaten verletzt.

Zuvor hatten bewaffnete Männer nach übereinstimmenden Angaben versucht, in die Stadt einzudringen. Es seien Schüsse zu hören gewesen, sagte ein örtlicher Behördenvertreter. Ein Auto mit bewaffneten Insassen habe versucht, in die Stadt zu gelangen, sei aber von französischen und malischen Streitkräften zurückgedrängt worden.

MUJAO bekannte sich zu Anschlag

Die islamistische Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) bekannte sich am Freitag zu dem Anschlag vom Vortag. „Wir haben eine neue Konfliktfront in Timbuktu eröffnet und wir werden weitermachen“, sagte Sprecher Adnan Abu al-Walid Sahraoui in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. Die „Mudschahedin“ seien wieder „in Gao, in Kidal und in Timbuktu“, den Hauptstädten der drei nördlichen Regionen des Landes, präsent. „Sie werden ihre Kämpfe dank Allah fortsetzen.“

Islamistengruppe Ansar Dine auf US-Terrorliste

Inzwischen wurde die Islamistengruppe Ansar Dine auf die Terrorliste gesetzt, gab das US-Außenministerium am Donnerstag in Washington bekannt. Mit ihrer Einstufung als Terrororganisation sei nun jegliche Unterstützung für die mit Al-Kaida kooperierende Gruppe verboten. Des Weiteren wurden US-Konten von Ansar Dine eingefroren. US-Bürgern seien Transaktionen mit der Gruppe untersagt. Ansar-Dine-Chef Ijad Ag Ghali stand bereits auf der US-Terrorliste. Die Gruppe zielt auf eine Einführung des islamischen Rechts (Scharia) in Mali ab.

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