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Wer wusste von der Bankensperre?

In den Wochen und Tagen vor der Schließung der Banken Zyperns wegen der dramatischen Finanzlage soll es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Abhebungen von Bargeld gegeben haben. Diesen Informationen will jetzt Parlamentspräsident Ginnakis Omirou nachgehen.

Wie aus Parlamentskreisen zu erfahren war, forderte der Parlamentspräsident die Liste mit den Überweisungen ins Ausland der vergangenen Wochen an. Er will prüfen, ob hohe Beamte, die in den Entscheidungszentren der Zentralbank oder auch im Präsidialgebäude sitzen und von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken am 16. März wussten, ihre Gelder ins Ausland geschafft hatten.

Zypriotische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien „Unmengen“ von Geld abgehoben worden. Auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro wird laut dem Rettungspaket bei der marktführenden Bank of Cyprus eine Zwangsabgabe von 30 Prozent, laut Finanzminister Michalis Sarris möglicherweise auch 40 Prozent, erhoben werden. Die Gelder wurden zunächst eingefroren. Am Dienstag wurden auch Informationen bekannt, wonach auch nach der Schließung der Banken Gelder aus Zypern über Filialen im Ausland abgeflossen seien.

„FAZ“: Milliarden könnten abgeflossen sein

Trotz geschlossener Banken und einer Sperre für den Zahlungsverkehr sei auch letzte Woche deutlich mehr Geld aus Zypern abgeflossen als in den Wochen zuvor, hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“, Onlineausgabe) am Sonntagabend unter Berufung auf Frankfurter Zahlungsverkehrsexperten berichtet. Trotz Zahlungssperre winke Nikosia offenbar Überweisungen durch.

Vor der Zuspitzung der Krise seien die über das Zahlungsverkehrssystem TARGET auflaufenden Verbindlichkeiten der zypriotischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) täglich um etwa 100 bis 200 Mio. Euro gestiegen, heißt es in dem Zeitungsbericht. In den vergangenen Tagen, nachdem das Parlament das Stabilisierungsprogramm zunächst hatte scheitern lassen, sei der tägliche Wert auf mehr als das Doppelte gestiegen. Allein in der vergangenen Woche könnten, so wurde in der „FAZ“ gemutmaßt, also Geldvermögen in Milliardenhöhe aus Zypern abgeflossen sein, obwohl die dortige Notenbank eine Sperre ausgesprochen habe.

70 Milliarden an Spareinlagen 2012

Zwischen 2007 und 2012 seien die Spareinlagen bei zypriotischen Banken von 52 auf fast 70 Mrd. Euro gestiegen. Erst im Jänner habe es den ersten nennenswerten monatlichen Geldabfluss gegeben, so der Bericht, obwohl die Banken der Insel spätestens seit dem Schuldenschnitt Griechenlands vor einem Jahr schwer angeschlagen seien.

Damals hatten die beiden größten Banken, die Bank of Cyprus und die Laiki Bank, auf ihre Griechenland-Anleihen 4,7 Mrd. Euro verloren - mehr als ihr Eigenkapital. In zypriotischen Banken lagern nach den jüngsten Berechnungen der Ratingagentur Moody’s russische Guthaben mit einem Nominalwert von rund 24 Milliarden Euro. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gibt sich indes zurückhaltend: Die möglichen Geldabflüsse würden sehr sorgfältig beobachtet. „In den letzten Tagen hat da nicht so viel stattgefunden“, so Schäuble am Montag.

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