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Notfallkredite von EZB

Am Donnerstag sollen die zypriotischen Banken nach zwölf Tagen endlich wieder öffnen - und es wird ein Massenansturm erwartet. Viele Sparer sind von den tagelangen Diskussionen über Zwangsabgaben für alle Bankkunden verunsichert. Doch strenge Regeln sollen verhindern, dass Zyperns Banken innnerhalb weniger Stunden auf dem Trockenen sitzen.

Wenn am Donnerstag die Schalterbeamten der zypriotischen Banken wieder ihren Dienst aufnehmen, wird auch wieder Bargeld fließen. So viel ist sicher. Die vor dem Wochenende beschlossenen Kapitalverkehrskontrollen sollen nach Angaben der Notenbank eher locker ausfallen. Die Beschränkungen würden aber für alle Geldinstitute des Landes gelten, sagte Notenbankchef Panikos Demetriades am Dienstag.

Polizeischutz für jede Filiale

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und auch pro Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr gesamtes Geld abziehen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden. Die Beschränkungen seien zeitlich begrenzt, versicherte der Präsidenten des Euro-Landes, Nikos Anastasiades, in einer TV-Ansprache Montagabend. „Ich versichere Ihnen, dass das nicht lange dauern wird.“ Die Maßnahmen sollten stufenweise wieder „abgeschwächt“ werden.

Zyperns Zentralbankchef Panikos Demetriades

APA/AP/Petros Karadjias

Zyperns Notenbankchef Panikos Demetriades konnte den Bankenkollaps nicht verhindern

Trotz aller Beschwichtigungen und einer Einigung auf eine Zwangsabgabe erst ab einer Summe von 100.000 Euro sind die Menschen in Zypern verunsichert. Es wird mit einem Massenansturm vor allem auf die kleinen Institute gerechnet. Zyperns Polizei entwarf bereits Pläne für den Schutz der Geldinstitute. Wie aus Kreisen der Sicherheitskräfte zu erfahren war, sollen alle Bankfilialen am Tag der Öffnung der Banken Polizeischutz bekommen - um „potenzielle Gewalttäter“ abzuschrecken.

Um zu verhindern, dass durch fehlende Geldmengen eine Massenpanik ausbricht, soll von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe an Zyperns Notenbank verschickt worden sein. Diese verteile das Geld bereits an alle Geldinstitute, hieß es aus Finanzkreisen.

Notfallkredit über bis zu drei Mrd. Euro

Doch dafür muss Zyperns Nationalbank einen Notfallkredit aufnehmen. Laut Informationen der deutschen Zeitung „Die Welt“ geht es um Summen von 1,5 bis drei Mrd. Euro. Das Geld soll dabei nicht an die beiden Großbanken Laiki und Bank of Cyprus fließen, sondern sei ausschließlich für die übrigen, kleineren Banken vorgesehen. Bisher hatte vor allem die Laiki Bank von den Notfallkrediten profitiert, doch mit ihrer Zerschlagung sollen die rund neun Mrd. Euro nun an die Bank of Cyprus gehen.

Die Bank auf Cyprus kämpft unterdessen auch intern mit den Auswirkungen des Rettungsplanes, der unter anderem vorsieht, dass wohlhabende Bankkunden bis zu 40 Prozent ihrer Einlagen verlieren könnten. Am Dienstag soll Bankchef Andreas Artemis erbost seinen Rücktritt eingereicht haben, um gegen die drastischen Einschnitte zu protestieren. Der Aufsichtsrat der Bank habe die Rücktrittserklärung jedoch „nicht akzeptiert“, berichtete die zypriotische Nachrichtenagentur CNA am Dienstag. Gemäß der Satzung der Bank erlangten Rücktritte erst Gültigkeit, wenn sie innerhalb von einer Woche nicht zurückgezogen würden, hieß es in der von CNA verbreiteten Erklärung.

Im schlimmsten Fall sind alle Einlagen weg

Die Umstrukturierung des überdimensionierten zypriotischen Bankensektors ist eine der Auflagen für ein Milliardenhilfspaket für das Land. Die Finanzminister der Euro-Zone beschlossen am Montag in Brüssel, Zypern Finanzhilfen von bis zu zehn Mrd. Euro zu gewähren. Dafür soll der Bankensektor des Landes umstrukturiert werden. Zudem ist ein Abschlag auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus in Höhe von bis zu 40 Prozent vorgesehen. Kunden der Laiki-Bank könnten bei einer Abwicklung sogar 90 Prozent ihrer Einlagen verlieren. Die Milliardenhilfen sollen der Euro-Rettungsfonds ESM und der Internationale Währungsfonds (IWF) leisten.

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